MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Die erste "Magenoperation"

Stifte und SpritzeAuf dem Gebiet der Magenheilkunde besaß man bereits im Altertum vielfältige Erfahrungen. Im alten Ägypten waren Einläufe und das Verabreichen von Zäpfchen bekannt. Die Heilkundigen der damaligen Zeit imitierten damit den Vogelgott Ibis, der mit seinem langen Schnabel Wasser in sein Rektum* einführt. Im Mittelalter Europas wurde das Sinnbild des relativ unbekannten Ibis' dann durch den bekannteren Schwan ersetzt, dem ein gleiches Verhalten unterstellt wurde. Das erklärt, warum der Schwan zeitweise zum Symbol der Medizin wurde und auf zahlreichen Dokumenten und Dächern alter Spitäler zu sehen ist. Nicolas l'Actuaire sammelte bereits im 12. Jahrhundert 2.156 Rezepte zur Heilung von Verdauungskrankheiten. Aber erst seit einem guten Jahrhundert sind Mediziner auch imstande, Magengeschwülste operativ zu beseitigen. Bis zu dieser Zeit bedeuteten derartige Leiden meist noch den sicheren Tod. Die erste verbriefte Magenoperation fand jedoch bereits im Jahre 1602 statt:

Auf einem Jahrmarkt trat zu dieser Zeit in Prag ein Gaukler als "Messerschlucker" auf. Leider verlor er bei der Vorführung seiner Kunststücke die Kontrolle über das Messer und verschluckte es zum Entsetzen der Zuschauer wirklich. Glücklicherweise hatte auch der brandenburgische Wanderchirurg Florian Mathis sein Zelt auf dem Festplatz aufgeschlagen. Chirurgen verdienten sich ihren Lebensunterhalt zu dieser Zeit ebenfalls oft auf Volksfesten, wo sie ihr Können zur Schau stellen und hin und wieder auch Kranke heilen konnten. Der Heilkundige klebte dem Verunglückten ein magnetisches Pflaster auf den Leib – es sollte das Messer "herausziehen". Nach zeitgenössischer Überlieferung konnte man das Messer nach sieben Wochen tatsächlich auf der Bauchdecke ertasten. An dieser Stelle schnitt Mathis den Körper ein und beförderte das inzwischen total verrostete Messer wieder ans Tageslicht.

Die zweite urkundlich verbürgte Magenoperation wurde am 9. Juli 1635 vom Königsberger Wundarzt Daniel Schwabe an einem 22jährigen Landarbeiter durchgeführt. Der junge Mann hatte offenbar zu viel Alkohol getrunken und wollte sich durch ein künstlich hervorgerufenes Erbrechen eine gewisse Erleichterung verschaffen – ein damals durchaus übliches Unterfangen, das zudem die "problemlose Teilnahme am Weitersaufen" ermöglichte. Er versuchte, den Brechreiz mit einem Messer zu stimulieren. Unglücklicherweise ereilte ihn das gleiche Schicksal, wie dem "Messerschlucker" des Jahres 1602. Der Patient wurde daraufhin zum Wundarzt gebracht. Schwabe schnallte ihn auf dem Operationstisch fest und operierte den Betroffenen bei vollem Bewusstsein. Leider fand er den Magen nicht gleich – es war wie gesagt erst die zweite verbürgte Operation in der Geschichte – so dass ein zweiter Schnitt erforderlich war. Letztlich konnte der verschluckte Gegenstand aber entfernt werden.

Noch Jahrzehnte später trugen Bänkelgesänge diesen schaurigen Vorfall über die Marktplätze Europas.

Es war ein unbeschreiblicher Zufall, dass der Patient die Prozedur überlebte. Die Ärzte jener Zeit besaßen nur geringe anatomische Kenntnisse. Die lehrreichen "Leichenzergliederungen" gehörten im Deutschland des siebzehnten Jahrhundert noch zu den Seltenheiten. Und sterile Operationstechniken bzw. eine adäquate Wundversorgung waren noch nicht einmal in Ansätzen angedacht.

* lateinisch, Rektum = letzter (gerade verlaufender) Teil des Darms
 
 


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Im 12. Jahrhundert 2.156 Rezepte zur Heilung von Verdauungskrankheiten. Aber erst seit einem guten Jahrhundert sind Mediziner auch imstande, Magengeschwülste operativ zu beseitigen.

 



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