MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Pawlows Hund aus einer ganz anderen Sicht

Magen"Allein der Anblick ließ ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen". Es steckt viel Wahres in dieser Feststellung. Das kann wohl jeder bestätigen, der schon einmal mit knurrendem Magen vor einer leckeren Tafel mit "Gesottenem und Gebratenem" gestanden hat und doch noch nicht mit dem Schmaus beginnen durfte. Unser Organismus unterwirft sich diesem Martyrium jedoch nicht unnötigerweise. Die frühzeitige Produktion von Speichel ist sinnvoll, weil sie die kommende Verdauung vorbereitet. Nicht nur im Munde läuft uns das Wasser zusammen, auch die Salzsäureproduktion im Magen wird bereits angekurbelt, wenn wir der Speise auch nur ansichtig werden. Man spricht von der "kephalischen" Phase des Verdauungsprozesses, die durch intensive psychische Reize ausgelöst wird. Dass es sich dabei um einen so genannten "Reflex" handelt, hat bereits der berühmte russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936) erkannt.

Der als ältester von zehn Kindern Geborene sollte zunächst in die Fußstapfen seines Vaters treten und Geistlicher werden. Einundzwanzigjährig verließ er jedoch das Priesterseminar, um Tierphysiologie und Chemie zu studieren. Nach einem zweijährigen Auslandsaufenthalt in Leipzig wurde er mit dem Aufbau einer Abteilung für Physiologie am St. Petersburger Institut für experimentelle Medizin beauftragt. Für seine Verdienste um die dort erfolgte Aufklärung der Verdauungsprozesse erhielt er im Jahre 1904 den Nobelpreis.

Foto von Pawlow

Bei einem seiner zahlreichen Versuche stieß er erstmalig auf das geschilderte Phänomen der "psychischen Sekretion". Er konnte zeigen, dass Hunde bereits Magensaft absondern, wenn sie das Futter nur gesehen hatten. Werden die Speicheldrüsen des Versuchstieres durch das Sichtbarwerden der Nahrung, deren Geruch oder Geschmack selbst angeregt, spricht man von einem "unbedingten Reflex". Er ist in gewissem Sinne "angeboren". Kombiniert man ihn mit einem anderen Reiz (zum Beispiel dem Aufleuchten einer roten Lampe), der eigentlich keinerlei Bezug zum normalerweise reizauslösenden Futter hat, so gelingt es nach einiger Wiederholung allein mit diesem neuen Reiz, die gleiche physiologische Reaktion auszulösen. Pawlow konnte die durch derartige "bedingte Reflexe" hervorgerufene Magensäuresekretion sogar quantitativ erfassen und daraus weitreichende Schlussfolgerungen ziehen. Wegen dieser bahnbrechenden Erkenntnisse ist uns Pawlow heute vor allem als "Vater der Reflexe" in Erinnerung. Oft wird dabei vergessen, dass allein die Aufklärung der Verdauungsprozesse und die Entdeckung der "kephalischen Phase" an sich bereits eine wissenschaftliche Höchstleistung war.
 
 


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Pawlow und die Magensäure

Bei einem seiner zahlreichen Versuche stieß Pawlow erstmalig auf das geschilderte Phänomen der "psychischen Sekretion". Er konnte zeigen, dass Hunde bereits Magensaft absondern, wenn sie das Futter nur gesehen hatten.

 



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