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Behandlung der Magengeschwüre im Wandel der Zeit Magengeschwüre sind keine Erscheinung der Neuzeit. Obwohl sie erst in der Medizin des gerade vergangenen Jahrhunderts eine wichtige Rolle zu spielen begannen, litten vermutlich auch schon die alten Ägypter an diesen Beschwerden. In Europa vermochten zahlreiche angesehene Ärzte, Magengeschwüre bereits um das Jahr 1800 sicher zu diagnostizieren. Zu dieser Zeit wurde auch der lateinische Name ulcus für das deutsche Wort Geschwür geprägt. Vielerorts war man sogar schon in der Lage, eine Heilung dieser Leiden herbeizuführen. Zur Therapie wurden damals meist bestimmte Wismutsalze verwendet. Weil manche Patienten über viele Jahre sehr große Mengen dieser Mittel ohne Unterbrechung eingenommen hatten, blieben schädigende Nebenwirkungen seinerzeit nicht aus.
Erst nach und nach wandelten sich die Behandlungsmethoden. Vor allem die operativen Techniken entwickelten sich unentwegt weiter. Um das Jahr 1878 wagte der berühmte deutsche Arzt Theodor Billroth sogar eine teilweise Entfernung des Magens, um eine an unheilbarem Magenkrebs leidende junge Frau zu retten. Die Patientin lebte dank dieses Eingriffs noch viele Jahre. Dem berühmten Chirurgen zu Ehren wird die betreffende Operationsmethode noch heute "Billroth I" genannt. Lesern, die sich hier ein ausführlicheres Bild machen wollen, sei unsere Februarausgabe 2003 empfohlen, in der die entsprechende Methode erklärt wird. Natürlich blieben derartige Eingriffe eher die Ausnahme als die Regel. Eine andere Operation, die Durchtrennung bestimmter Nervenstränge, gehörte hingegen bis vor wenigen Jahrzehnten zu den Standardmethoden im Kampf gegen das Magengeschwür. Die Ärzte hatten damals schnell erkannt, dass Magengeschwüre fast von alleine abheilen, wenn ihnen nur die Möglichkeit dazu gegeben wird. Sie wussten nur zu gut, wie hilfreich hier eine wirksame Säurehemmung sein kann. Es ist leicht einzusehen, dass Magen- und Darmgeschwüre kaum vernünftig heilen können, wenn sie immer wieder mit konzentrierter Säure verätzt werden. Die Steuerung der Magensäureproduktion erfolgt über vielfältige Mechanismen. Vom Gehirn ausgehende Nervenimpulse spielen dabei eine wichtige Rolle. Die meisten Signale werden dabei über einen ganz bestimmten Nervenstrang, den so genannten Nervus vagus vermittelt. Im Jahre 1946 durchtrennten Chirurgen diese "Nervenleitung" erstmalig bei zwei Patienten und unterbrachen damit das zentrale Signal zur Säureproduktion. Der Heilerfolg auf das Magengeschwür war überwältigend. Innerhalb nur eines Jahres sind damals mehr als 200 solcher Operationen durchgeführt worden. Natürlich werden über den Nervus vagus noch vielerlei andere Informationen vom Gehirn übertragen, so wie ja über nur eine Telefonleitung auch mehrere Gespräche geführt werden können. Leider werden all diese gewünschten Informationen bei der Vagus-Durchtrennung ebenfalls unterbrochen. Heutzutage gibt es zahlreiche Medikamente, die eine wirksame und lang anhaltende Säurehemmung gewährleisten. Operative Eingriffe der beschriebenen Art gehören inzwischen eher zu den Raritäten. Patienten, die an einem Magengeschwür leiden, erhalten fast immer einen wirksamen Protonenpumpenblocker. Die Substanz Esomeprazol ist der zur Zeit modernste seiner Art. Seit der Markteinführung der Protonenpumpenblocker sind die Magengeschwüre im wahrsten Sinne des Wortes fast aus den Arztpraxen verschwunden. Noch in den 1980er Jahren waren sie viermal häufiger, als heute. |
Der Arzt Theodor Billroth
Um das Jahr 1878 wagte der berühmte deutsche Arzt Theodor Billroth sogar eine teilweise Entfernung des Magens, um eine an unheilbarem Magenkrebs leidende junge Frau zu retten. Die Patientin lebte dank dieses Eingriffs noch viele Jahre. Dem berühmten Chirurgen zu Ehren wird die betreffende Operationsmethode noch heute "Billroth I" genannt.
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