MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Rheuma schlägt auf den Magen - Säurehemmer nutzen

Mann mit BrilleSäurehemmende Substanzen können selbst für Menschen, die weder vom Sodbrennen noch von diesem gleich näher zu erläuternden Magenbrennen betroffen sind, notwendig werden. Die Rede ist von jenen Patienten, die über einen langen Zeitraum bestimmte Schmerzmittel benötigen. Dazu gehören vor allem ältere Menschen, die an Rheuma oder Gelenkverschleiß leiden, aber auch Jüngere, die zum Beispiel sehr oft von Kopfschmerzen geplagt werden. Schmerzmittel, so genannte Analgetika, stehen mit jährlich fast 100 Millionen Verordnungen an der Spitze aller in Deutschland verschriebenen Medikamente. Allein 17 Prozent aller Arztbesuche sind rheumatischen Beschwerden geschuldet. In den allermeisten Fällen müssen die Betroffenen ständig Schmerztabletten einnehmen.

Bei zwei von drei Patienten geht die Schmerzmitteleinnahme langfristig mit einer Schädigung der Magenschleimhaut einher. Die Dauertherapie kann sogar tiefe Läsionen, so genannte Magengeschwüre, in der Magenwand hinterlassen.

Magengeschwuer


Magengeschwüre sind meist sehr schmerzhaft und werden von manchen Betroffenen tatsächlich als "Brennen" wahrgenommen. Sie heilen nur ab, wenn der aggressive Magensaft den Heilungsprozess nicht verhindert. Wirksame Säurehemmer sind daher eine wichtige Behandlungsmaßnahme zur Bekämpfung von Magengeschwüren und den damit verbundenen Schmerzen. In manchen Fällen wird es der Arzt sogar für erforderlich halten, einen Magenschutz mit Säurehemmern vorbeugend durchzuführen – auch wenn keine Magengeschwüre vorhanden sind. Dazu entschließt er sich meist, wenn unter der Anwendung von Analgetika früher bereits einmal ein Magengeschwür aufgetreten ist.

Wodurch entstehen die Magengeschwüre beim Schmerzmittelgebrauch?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Vollständige Klarheit über die Herausbildung eines Magengeschwürs infolge einer Dauertherapie mit Schmerzmitteln gibt es derzeit noch nicht. Zudem besteht nicht bei allen Schmerzmitteln eine tatsächliche Gefahr. Lediglich einige Substanzen aus der Gruppe der "nicht-steroidalen Antirheumatika" (NSAR) neigen dazu, Magengeschwüre hervorzurufen. Auch wenn sich diese Bezeichnung kompliziert anhört und man fast sicher ist, über derartiges noch nicht gehört zu haben: Der Eindruck täuscht!

Fast jeder hat schon einmal ein Aspirin eingenommen, um sein Kopfweh "im Zaum" zu halten oder einen Zahn zu beruhigen. Das bereits im Jahre 1899 auf den Markt gebrachte Fieber- und Schmerzmittel enthält einen Wirkstoff, der seinerzeit aus der Weidenrinde gewonnen wurde. Nach dem lateinischen Namen seines Ursprungs salix (die Weide) wird er noch heute als Acetylsalicylsäure (ASS) bezeichnet. Manche Leser werden sich nun erinnern, dass diese Substanz auch verordnet wird, um das Blut flüssiger zu machen und so einer Verstopfung der Blutgefäße vorzubeugen. Schmerzmittel wie die Acetylsalicylsäure sind also keineswegs eine seltene Sache. Gerade sie sind nun aber das bedeutendste "Mitglied" der großen Gruppe nicht-steroidaler Antirheumatika, die täglich von mehr als 30 Millionen Menschen weltweit eingenommen werden.

Wie kommt es nun, dass diese erfolgreichen Schmerzmittel bei dauernder Anwendung 43mal häufiger zu Magen-Darm-Geschwüren führen, als in der Normalbevölkerung? Natürlich steckt weit mehr als nur purer Zufall dahinter. NSAR hemmen die Produktion bestimmter körpereigener Substanzen, der so genannten Prostaglandine. Diese "Gewebshormone" wurden erst im Jahre 1935 entdeckt. Sie setzen die Schmerzempfindlichkeit herab, machen uns also schmerzempfindlicher. Im Jahre 1971 fiel den Pharmakologen auf, dass die schmerzstillende Wirkung von Acetylsalicylsäure auf einer Hemmung genau dieser Prostaglandine im entzündeten und schmerzenden Gewebe zurückzuführen ist. Mit der Prostaglandinhemmung wird der Schmerz gewissermaßen "ausgeschaltet" oder wenigstens verringert.

Prostaglandine haben jedoch auch ihre "nützliche Seite". Sie sind für den Schutz von Magen und Darm mitverantwortlich, indem sie die Bildung des schützenden Schleims fördern und Stoffe produzieren, die die Magensäure neutralisieren können. Wir stehen hier also vor einem echten Dilemma. Einerseits sollen NSAR die Prostaglandine hemmen, um den Schmerz zu beseitigen, andererseits nehmen wir damit aber auch den Verlust einer wichtigen Schutzfunktion in kauf. Manche NSAR haben sogar noch weitere unerwünschte Effekte. Sie werden von der Magenschleimhaut aufgenommen, reichern sich dort an und führen anschließend zu Zellschäden. Obwohl sich die Schleimhaut innerhalb weniger Stunden regeneriert, kann eine Dauertherapie mit solchen Schmerzmitteln daher die erwähnten Geschwüre verursachen.

Seit langem versucht man daher, solche Medikamente zu entwickeln, die zwar eine verlässliche schmerzstillende Wirkung durch die Prostaglandinhemmung zeigen, gleichzeitig aber deren schleimhautschädigende Effekte vermeiden. Obwohl dies ein besonders schwieriges Unterfangen ist, gibt es bereits einige Erfolge. Dennoch existiert auch ein sehr viel einfacherer Weg: Der Arzt verordnet jenen Patienten, die oft und lange NSAR einnehmen müssen, einfach einen "zusätzlichen Magenschutz". Eine lang anhaltende Säurehemmung erweist sich dabei als die beste Möglichkeit. Protonenpumpenblocker, die die Säurestärke im Magen stark vermindern, können Magengeschwüre schnell zur Abheilung bringen bzw. deren Entstehung von vornherein weitgehend vermeiden. In diesem Lichte ist auch verständlich, warum selbst Rheumapatienten von ihrem Arzt manchmal Protonenpumpenblocker neben ihren Schmerzmitteln verschrieben bekommen.

FAQ's: Sind Magenprobleme unter Schmerzmitteleinnahme häufig?

Zwischen 8 und 16 Prozent aller Menschen, die NSAR einnehmen, entwickeln Magen-Darm-Probleme. Jeder zehnte muss die Behandlung mit dem Schmerzmittel deswegen sogar abbrechen.
 
 


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Es gibt zwar das weit verbreitete "Sodbrennen", ein vergleichbares "Magenbrennen" tritt jedoch nicht auf. Der Grund dafür war leicht einzusehen: Während sich der Magen in einem Jahrmillionen währenden Evolutionsprozess auf die aggressive Magensäure eingestellt hat und sich daher mit Hilfe einer speziellen Schleimschicht wirksam vor Verätzungen oder Selbstverdauung schützen kann, war dies für die Speiseröhre nicht nötig.

 



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