|
|||||||||||||||||||||
Fortschritte durch "Priestleys" wundersames Gas Operationen werden heutzutage von exzellent ausgebildeten Ärzten durchgeführt, die ein ganzes Arsenal ausgefeilter high-tech-Instrumente verwenden und sich darüber hinaus auf leistungsfähige computergestützte Geräte verlassen können. Chirurgische Eingriffe gehören zum Alltag eines jeden Krankenhauses und können manchmal sogar ambulant erledigt werden. Der Patient verspürt dabei keine Schmerzen. Er wird entweder lokal betäubt oder erhält eine Vollnarkose. Das war in der Medizingeschichte natürlich nicht immer so.
Bereits der Frühmensch nutzte nicht nur die heilende Wirkung bestimmter Pflanzen und Gewürzkräuter, sondern öffnete auch entzündete Abszesse oder entfernte Dornen aus der Haut, die sich die Stammesangehörigen zum Beispiel bei der Jagd eingetreten hatten. Sein "Operationsbesteck" war einfach. Neben scharfen Muschelschalen fanden große Fischgräten oder das Steinmesser ihre chirurgische Bestimmung. Chirurgische Eingriffe waren offenbar nicht selten. Selbst an frühzeitlichen Skeletten fand man wiederholt Spuren künstlich angelegter Schädelöffnungen. Noch Hippokrates (460-377 v. Chr.) vertrat vehement die Ansicht "Alles, was die Heilmittel nicht heilen, heilt das Eisen; alles, was das Eisen nicht heilt, heilt das Feuer; was aber das Feuer nicht heilt, das muss als unheilbar gelten" Betäubungsmittel gab es nicht. Der Schmerz wurde durch berauschende Getränke gedämpft. Glücklich war, wem es vor der "Operation" gelang, sich durch ekstasische Tänze in Trance zu versetzen und dem Geschehen dadurch im wahrsten Sinne des Wortes zu entrücken. Erst um das Jahr 1776 stellte der englische Chemiker Joseph Priestley (1733-1804) ein farbloses, angenehm süßlich riechendes Gas her. Weil dieses "Stickoxydul" (N2O) im Tierversuch allerdings verheerende Folgen zeigte, war es lange Zeit als Gift gefürchtet. Um 1799 bemerkte Humphrey Davy (1778-1808) überraschend, dass das eingeatmete Gas euphorisierend wirkt. Als eine Versuchsperson unter der Wirkung des Gases über die herumstehenden Personen lachen muss, wird der noch heute bekannte Name "Lachgas" geboren. Die Kunde vom Lachgas verbreitet sich schnell. Es wird Mode, "Lachgas-Parties" zu arrangieren. Davy's Hinweise auf die Brauchbarkeit der Substanz zu Narkosezwecken wird zunächst ignoriert. Schausteller ziehen durchs Land und bieten "Experimentierzirkus" mit vom Gas benommenen Anwesenden. An einem trüben Dezembertag des Jahres 1844 trifft der neunundzwanzigjährige Horace Wells (1815-1848) in Hartford, der Hauptstadt von Connecticut, ein. Den Zahnarzt beschäftigt der Gedanke, wie er den von ihm entwickelten neuartigen Zahnersatz an die Kunden bringen kann. Selbst die Eitelsten verzichteten lieber auf ein schönes Gebiss, wenn sie dafür das schmerzhafte Ziehen der Zahnstümpfe vermeiden konnten. Wells sitzt die Zeit im Nacken, das Geschäft muss endlich Aufwind bekommen. Mit seiner Frau besucht er zur Zerstreuung den örtlichen Zirkus. Dort erlebt er die sich komisch gebärdenden Probanden, die unter Lachgaseinfluss umhertollen. Ein besonders Ausgelassener prallt mit seinem Schienbein heftig gegen eine Bank. Als der stark Blutende beteuert, völlig schmerzfrei zu sein, besorgt sich Wells vom Veranstalter eine Dose des Gases. Bereits am nächsten Morgen lässt er sich im Selbstversuch einen Backenzahn unter Lachgaseinwirkung ziehen. Die Operation erwies sich als schmerzlos. Damit war nicht nur sein zukünftiger Geschäftserfolg gesichert, sondern zugleich die "Inhalations-Analgesie" ins Leben gerufen worden. Ohne sie wäre der spätere Fortschritt in der chirurgischen Therapie von Magen-Darm-Erkrankungen nicht möglich gewesen. |
Aus der Geschichte der Medizin
Bereits der Frühmensch nutzte nicht nur die heilende Wirkung bestimmter Pflanzen und Gewürzkräuter, sondern öffnete auch entzündete Abszesse oder entfernte Dornen aus der Haut, die sich die Stammesangehörigen zum Beispiel bei der Jagd eingetreten hatten. Sein "Operationsbesteck" war einfach.
|
||||||||||||||||||||