MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Fasten fürs Leben

Die einen fasten, um abzunehmen. Die anderen reinigen auf diese Weise Körper und Geist. Soviel Sauberkeit verlangt nach einer Erklärung. Hier kommt sie.

Gesunde ErnährungBrave Katholiken tun es von Aschermittwoch bis Karfreitag, Moslems während des Ramadan solange die Sonne scheint und Juden am Yom Kippur Tag. Gandhi protestierte so gegen die Unterdrücker Indiens, und Gefängnisinsassen fasten mitunter, um Richter weichzuklopfen. Hungerstreik heißt das dann, läuft aber aufs gleiche hinaus: Tagelang nichts essen, nur Wasser oder Tee trinken. Wer fastet, kann hundert Tage durchhalten. Vorausgesetzt er ist gesund und trinkt viel Flüssigkeit.

Hilfe bei Allergien und Hauterkrankungen

Historisch gesehen ist das Fasten ein religiöser Brauch, um Buße zu tun. Um Buße oder Protest geht es den hierzulande Fastenden jedoch selten. Anlass der gewollten Hungerns ist meist die Suche nach innerer Erkenntnis oder äußerer Veränderung, purzelt beim Fasten doch so manches Kilo. Von Ärzten bewusst eingesetzt, kann Fasten allerdings Krankheiten lindern. Der völlig aus den Fugen geratene Blutzuckerspiegel eines Diabetikers lässt sich durch eine vorübergehende Spezialkost aus Eiweißen und Mineralstoffen oft wieder unter Kontrolle bringen. Hautentzündungen wie Neurodermitis und Ekzeme reagieren ebenfalls positiv auf das Hungern, da mit dem Eiweißabbau beim Fasten auch diejenigen Proteine zerstört werden, die Entzündungen ausgelöst haben. Und auch ein überdrehtes Immunsystem - häufiger Grund für die Entstehung von Allergien - verliert während des Fastens an Schwung. Allerdings dauern diese Effekte nur solange an, wie gefastet wird.

Training für die Selbstdisziplin

Ganz gleich jedoch, welches Motiv die Hauptrolle spielt und wie lange die persönliche Hungerkur dauert: Wer fastet, trainiert seine Selbstdisziplin. Wer sich von Job, Partnerschaft und Alltagsärger aufgezehrt fühlt, kann durch erfolgreiches Fasten die Kontrolle über seine Geschicke zurückgewinnen, die planmäßige Weigerung der täglichen Nahrungsaufnahme wirkt wie eine Therapie. Zum seelischen Wohlgefühl gesellt sich dabei häufig noch ein körperliches High. Denn schon zu Fastenbeginn fühlen sich die Menschen freier, vitaler und belastungsfähiger. Mit entsprechenden Folgen im Alltag: Fastenanhänger sind nicht selten außergewöhnlich durchsetzungsfähige und leistungsbereite Persönlichkeiten.

Giftmülldeponie im Körper?

Neben den auch von Schulmedizinern anerkannten positiven Wirkungen auf den Seelenhaushalt, wird dem Fasten aber auch die Fähigkeit zur Entgiftung und Entschlackung des Organismus nachgesagt. "Das klingt, als wäre der Körper voller Giftmülldeponien und Schmutzwasserpfützen", kritisiert Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in Frankfurt. "Etwas derartiges existiert aber nicht, denn Leber, Nieren, Darm und Schweißdrüsen sind die perfekte körpereigene Müllabfuhr". Für viele Menschen klingt das Märchen mit den Schlacken und Giften allerdings so plausibel, dass Fastenratgeber Dauerbrenner in Buchhandlungen sind und ganze Privatkliniken sich auf das gewollte Hungern spezialisiert haben. Viele Wissenschaftler beantworten jedoch die Frage, ob das Fasten der Gesundheit diene, mit einem klaren nein und warnen statt dessen: Fasten kann für den Körper schädlich sein und u.a. Schlafstörungen, Schwindel, Depressionen und Gichtanfälle begünstigen.

Aus Muskeln wird Energie

Denn ohne regelmäßige Nahrungszufuhr baut der Körper zwecks Energiegewinnung vom ersten Tag an auch jene Eiweiße ab, die er eigentlich für Enzyme und Muskeln benötigt. Zwar stellt die Leber in den ersten 24 Fastenstunden noch Energie in Form von gespeicherten Kohlenhydraten zur Verfügung. Nach einer Untersuchung der Tel Aviv University Medical School in Israel an 370 Freiwilligen, plagen jedoch nahezu jeden zweiten Fastenden schon am ersten Tag Kopfschmerzen. Die mögliche Erklärung: Das Gehirn ist einer der größten Energieverbraucher des Körpers und reagiert auf den spärlichen Nachschub besonders empfindlich.

Um nicht zu verhungern, produziert der Körper deshalb ab dem zweiten Fastentag Energie aus Aminosäuren, für die er zuvor Muskeleiweiße zerlegt hat. Täglich rund 50 Gramm Eiweiß werden auf diese Weise umgebaut. Ein sichtbarer Teil aller Muskeln geht so beim längeren Fasten verloren. Im Herzmuskel aber kann das gefährliche Rhythmusstörungen hervorrufen.

Nicht zum Abnehmen geeignet

Erst nach drei Fastentagen beginnt der Körper damit, als Energiequelle auch seine Fettreserven anzuzapfen. Bis der Mechanismus der Fettverbrennung allerdings vollständig greift und der Muskelraubbau deutlich gedrosselt wird, vergehen rund drei Wochen. Wer auf diese Weise seine Rettungsringe an den Hüften schrumpfen will, muss sich jedoch mit einem besonderen Problem arrangieren: Durch die hochtourige Fettverbrennung und den fehlenden Kohlenhydratnachschub wird der Organismus mit sogenannten Ketosäuren überschwemmt. Diese Ersatzkohlenhydrate verursachen einen unangenehmen azetonartigen Körpergeruch. "Die Natur hat den Mechanismus der Fettverbrennung eingerichtet, um dem Verhungern vorzubeugen", erklärt Dr. Oberritter den Körpergeruch beim Fasten, "und nicht um Übergewicht zu bekämpfen". Zum Abnehmen eignet sich Fasten aber auch aus anderen Gründen nicht: "Im Hungerzustand reguliert der Körper viele Stoffwechselvorgänge weit herunter", erklärt er Ernährungsspezialist. Wer durch Fasten abnehmen will, ist deshalb nur erfolgreich, wenn er danach seine Ernährung langfristig umstellt. "Sonst wird das alte Gewicht schnell wieder eingeholt", sagt Dr. Oberritter.

Streß für den Organismus

Auch wenn der Hunger beim Fasten gewollt ist, empfindet der Körper seine Lage als Ausnahmezustand. Fasten ist deshalb kein Mittel gegen Stress, es verstärkt ihn sogar. Besonders in den ersten Fastentagen steigt im Blut die Konzentrationen der Hormone Adrenalin und Serotonin. Während Adrenalin den oft als "wiedergewonnene Kraft" interpretierten körperlichen Energieschub auslöst, regelt Serotonin im Gehirn die dazu passenden Emotionen. Dieser Zustand wird von vielen Fastenden bereitwillig als Bewusstseinserweiterung fehlinterpretiert, und Fasten erhält damit den Anstrich einer Heilslehre, die aber nicht wirklich heilt. Besonders Langzeitfastende bekommen die unangenehmen Folgen des Dauerhungerns zu spüren: Sinkt nach den ersten Fastentagen der Serotoninpegel wieder, können Niedergeschlagenheit oder sogar Depressionen auftreten. So manchen gerade noch energiegeladene Fastenden verlässt außerdem völlig die Kraft, wenn auch noch der Adrenalinpegel fällt und der Blutdruck sich deshalb auf krankhaft niedrige Werte zurückzieht. Am vierzehnten Tag, so berichten manche Fastende, verspürten sie zwar keinen Hunger mehr, wären aber oftmals kaum noch in der Lage gewesen, eine Tütensuppe aufzureißen.

Fasten nur einmal im Jahr

Trotzdem: Beim Fasten überwiegen anscheinend die psychologischen Vorteile die medizinischen Einwände. Allerdings sollte man nur einmal pro Jahr eine Fastenperiode einlegen, am besten während des Übergangs vom ernährungsmässig opulenten Winter zum schlankeren Frühling. Gelegentlichen Kurzfasten über drei Tage hat kaum einen Effekt. Statt dessen ist ein entkrampfterer Umgang mit dem Fastenbegriff angesagt: Einmal jährlich für vier bis sechs Wochen die Nahrung auf überwiegend Gemüse und Obst umstellen, dazu Nikotin und Koffein weglassen und im hektischen Alltag einen Gang runterschalten, hat vergleichbare Effekte wie das strenge Fasten. Ist das Bewußtsein anschließend noch weiter als der Hosenbund, dann hat sich das Fasten außerdem auch auf lange Sicht gelohnt.
 
 


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Wer hat nicht schon einmal etwas vom Fasten gehört ?Sich selbst an die Grenzen bringen. Verzicht üben. Entschlacken. Wer fastet, trainiert seine Selbstdisziplin.

Eine gesunde Ernährung


 



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