|
|||||||||||||||||||||
Refluxkrankheit Es ist schön, Sie auch im Urlaubsmonat August wieder als Gast in unserem Online-Journal begrüßen zu können. In der vergangenen Ausgabe hatten wir uns mit der Frage beschäftigt, welche Eigenschaften moderne Medikamente zur Säurehemmung wohl haben müssen. In diesem Zusammenhang interessierten uns vor allem zwei Phänomene: Wie kommt der Wirkstoff am besten an den Ort des Geschehens – die Belegzelle der Magenschleimhaut – und welche Rolle spielen "optische Isomeren" bei der Säurehemmung? Heute wollen wir uns noch einmal einem besonders häufigen Krankheitsbild zuwenden, das seine Ursache in einem "zuviel an Magensäure" hat: Der Refluxkrankheit. Wie wir sehen werden, gibt es verschiedene "Ausprägungen" dieser Erkrankung. Alle werden jedoch mit denselben Methoden behandelt.
Zurzeit erleben wir in nahezu allen Industrieländern der westlichen Welt einen dramatischen Anstieg der Refluxkrankheit, die durch einen unnatürlichen Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre verursacht wird. Die Häufigkeit von GERD – eine gebräuchliche Abkürzung für die englische Bezeichnung Gastro-Esophageale-Reflux-Disease – hat sich in den vergangenen dreißig Jahren verzehnfacht. Sodbrennen, das aus der Magengrube hinter dem Brustbein aufsteigende brennende Gefühl, ist das Hauptsymptom dieser Erkrankung. Vier von zehn GERD-Patienten haben sogar eine Speiseröhrenentzündung infolge der Säureverätzung. Bei einem Teil der Betroffenen kommt es später zu Komplikationen, vor allem zu dauerhaften Schäden der Speiseröhrenschleimhaut: Von hundert Patienten, die man beim Arzt antrifft, haben 51 eine Refluxkrankheit. Die meisten von ihnen weisen glücklicherweise noch keine Entzündung der Speiseröhre auf. Dennoch ist dies für den Betroffenen zunächst nur ein schwacher Trost. Was ihm zu schaffen macht, sind ja in erster Linie die akuten Symptome, also das Sodbrennen, die Schluckstörungen, das saure Aufstoßen und die Heiserkeit. Gerade hier spielt es keine Rolle, zu welcher Kategorie GERD-Patient man gehört. Alle leiden an den gleichen Beschwerden: Je stärker die Symptome auftreten, desto schlechter fühlt sich der Patient. 57 Prozent der "Refluxer" leiden mindestens einmal wöchentlich am Sodbrennen. Wie es "innen drin" genau aussieht, ist ihnen unter diesem Aspekt zunächst ziemlich egal. Untersuchungen zur Lebensqualität Refluxkranker offenbarten, dass diese in der gleichen Weise beeinträchtigt sind wie Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit oder der Angina pectoris. Zwei Lehren ergeben sich aus dieser Tatsache: Erstens profitieren sowohl Refluxkranke mit einer Speiseröhrenentzündung als auch jene, die bislang "bloß" an Sodbrennen leiden, von einer säurehemmenden Behandlung, weil nur diese genau jene Beschwerden lindert, an denen beide leiden. Eine effektive Säurehemmung kann zudem die Herausbildung weiterer Speiseröhrenschäden verhindern. Deshalb sollte zweitens jeder Refluxkranke in den Genuss einer solchen Therapie kommen. Sodbrennen - Wenn die Magensäure in der Speiseröhre brenntFrüher waren 80 Prozent der Refluxkranken Männer. Inzwischen haben die Frauen stark aufgeholt. Heutzutage liegt das Verhältnis etwa bei 50 zu 50. Fast jeder fünfte hat aufgrund seiner Erkrankung Schlafstörungen. Jeder zweite musste seine Ernährung umstellen und vermeidet bestimmte Speisen. Diese starke Einschränkung der Lebensqualität führt die Betroffenen … nicht etwa zum Arzt, sondern zunächst meist in den Supermarkt! Inzwischen gibt es sogar an Tankstellen und in Drogerien zahlreiche Antazida, deren "unglaubliche säurehemmende Kraft" mit mehr oder weniger einprägsamen Werbeslogans popularisiert wird.Leser, die ihrem Online-Journal schon seit längerem die Treue halten, wissen nur zu gut, welch große Gefahr in diesem Verhalten liegt. Die gefürchtete Folge des Sodbrennens, die Speiseröhrenentzündung kann nur geheilt und sich daraus entwickelnde Vorstufen eines Speiseröhrenkrebses vermieden werden, wenn die Magensäure wirksam und vor allem langanhaltend abgeschwächt wird. Das heißt, der pH-Wert des Magensaftes muss über nahezu den gesamten Tag angehoben werden. Als Faustregel kann man sich merken, dass der pH-Wert des Magensaftes normalerweise etwa 2 beträgt. Die Behandlung einer Speiseröhrenentzündung erfordert einen langfristig eingestellten pH-Wert von mindestens 4. Neutralisierend wirkende Substanzen, also Antazida (anti = griech. gegen; acidus = lat. sauer), wie Magnesiumoxid, Kalziumkarbonat, Aluminiumhydroxid und Aluminium-Magnesium-Silikate, aber auch Natron (Natriumhydrogenkarbonat, Backpulver) beseitigen zwar den Schmerz sehr rasch, sichern die erforderlichen pH-Werte jedoch bestenfalls für eine kurze Zeitspanne. Für die Linderung eines chronischen Sodbrennens und die wirkungsvolle Behandlung der Refluxkrankheit sind sie ungeeignet. Zudem haben Antazida häufig ein Reihe unerwünschter Wirkungen. Vor allem das oft in Eigenregie verwendete Natron ist nicht unumstritten. Das dem Organismus vermehrt zugeführte Natrium begünstigt unter Umständen einen zu hohen Blutdruck. Magnesiumhaltige Präparate wirken abführend, aluminiumhaltige dagegen verstopfend. Letztere begünstigen sogar den Knochenschwund. Besonders ungünstig ist darüber hinaus die Eigenart vieler Antazida, zwar die vorhandene Magensäure kurzfristig zu neutralisieren, längerfristig aber eine vermehrte Produktion neuer Magensäure "anzukurbeln". Der Organismus "überkompensiert" dadurch die Säurehemmung gewissermaßen. Aus diesem Grunde müssen immer häufiger immer größere Mengen Antazida eingenommen werden, wobei sich die Beschwerden oftmals trotzdem weiter verschlimmern. Bei langanhaltendem oder häufigem Sodbrennen hilft nur der Gang zum Arzt! Er kann eine wirklich geeignete Therapie einleiten. Es liegt auf der Hand, dass die Verminderung der Säure eine zentrale Rolle bei der Behandlung spielt. Fast immer werden unverzüglich Protonenpumpenblocker, die bekanntlich stärksten Säurehemmer, verschrieben. Der Reflux-Patient kann die Therapie mit einer besonders konsequenten Medikamenteneinnahme unterstützen. Nur so ist ein kontinuierlich niedriger Säurespiegel gewährleistet. Zudem erweist sich die Beachtung einiger Regeln als hilfreich. Speisen, die den "Muskelverschluss" der Speiseröhre vor dem Magen ungünstig beeinflussen, sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Dazu gehören vor allem Süßspeisen, Kuchen, Schokolade, sehr fettreiche Kost sowie Alkohol und Pfefferminze. Solange die Refluxbeschwerden nicht abgeklungen sind, sollte auch auf Obstsäfte, Zitrusfrüchte und scharf gewürzte Speisen verzichtet werden. Sie reizen die entzündete Speiseröhrenschleimhaut andernfalls zusätzlich. Auch Kaffee kurbelt die Säureproduktion an und ist deshalb nur in Maßen zu genießen.
|
Fast jeder zweite Deutsche leidet an Sodbrennen. Treten die Beschwerden nur gelegentlich auf, muss man sich in der Regel keine allzu großen Sorgen machen. Manchmal kann sich hinter dem Sodbrennen jedoch auch die "Refluxkrankheit" verbergen.
Alkohol in Maßen ist erlaubt. Hoher Alkoholkonsum hingegen regt die Produktion der Magensäure an und es kommt vermehrt zu Sodbrennen
|
||||||||||||||||||||