MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Durchtrennung des Vagusnerv - die chirurgische Blockade der Säureproduktion des Magens

Säureproduktion regulieren- Lester Reynold Dragstedt (1893-1975), amerikanischer Chirurg
- Fritz Holle (geb. 1941), deutscher Arzt


Menschen, die an Sodbrennen leiden, sind für jede medizinische Hilfe dankbar, die ihre Beschwerden lindert. Obwohl Sodbrennen vielerorts noch immer als bloße "Befindlichkeitsstörung" abgetan wird, ist sie doch eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Einerseits kann der in die Speiseröhre zurückfließende Magensaft schwerste Schäden, Entzündungen und Erosionen an der Speiseröhrenschleimhaut verursachen, andererseits ist der Leidensdruck des Betroffenen sogar noch stärker, als der von Herzinfarktpatienten (lesen Sie dazu auch in unserer Rubrik "Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung"). Wir wissen nur zu gut, dass eine wirksame Säurehemmung hier die dringend erforderliche Abhilfe schaffen kann. Sie erweist sich auch als erforderlich, wenn es darum geht, Magen- und Darmgeschwüre zu heilen. Heutzutage gibt es zahlreiche Medikamente, die eine wirksame und lang anhaltende Säurehemmung gewährleisten. Bei den erwähnten Geschwüren werden sie fast immer verschrieben. Dieser konsequenten Therapie ist es mit zu verdanken, dass derartige Erkrankungen seit den letzten Jahrzehnten allmählich "verschwinden". Zwölffingerdarmgeschwüre waren noch in den achtziger Jahren etwa viermal häufiger als heute.

Die schädliche Rolle eines zu sauren Magensaftes ist den Ärzten schon lange bekannt. Auch der Laie kann sich gut vorstellen, dass die hochaggressive Salzsäure des Magens, das Letzte ist, was er auf eine Wunde – und darum handelt es sich beim Magengeschwür oder den Erosionen der Speiseröhre im Prinzip – geträufelt bekommen möchte. Die Produktion von Magensäure kann durch moderne Medikamente, wie die Protonenpumpenblocker, wirksam gehemmt werden. Solche Substanzen standen dem Arzt früher jedoch noch nicht zur Verfügung. Sie ersannen daher andere Methoden, die die übermäßige Säureproduktion drosseln sollten. Man entschloss sich kurzerhand einige Nerven zu durchtrennen, um dem Patienten zu helfen. Um zu verstehen, welche Idee dahinter steckt, müssen wir einen kleinen Exkurs in die Medizin unternehmen:

Im nüchternen Zustand produziert der gesunde Magen nur geringe Mengen sauren Magensaftes. Die Auslösung der Säureproduktion erfolgt über mehrere Mechanismen im Ergebnis nervaler und hormoneller Vorgänge. Psychische Reize, wie Essensdüfte oder der Anblick leckerer Speisen lösen im Gehirn bestimmte Nervenimpulse aus, die letztlich das Signal für den Start der Säureproduktion an die Belegzellen des Magens geben. Diese Signale werden über bestimmte Nervenleitungen, zu denen der so genannte Nervus vagus gehört, vermittelt. Wir wissen bereits, dass einige Medikamente diese Signalkette unterbrechen können. Das gelingt zwar nicht perfekt, hilft aber. Die so genannten H2-Blocker gehören zu dieser Gruppe. Über sie haben wir ausführlich in der März-Ausgabe von MAGEN ASPEKTE berichtet. Protonenpumpenblocker haben einen besseren säurehemmenden Effekt, weil sie unabhängig vom Funktionieren oder Nichtfunktionieren der Signalkette einfach die Säureproduktion selbst hemmen.

Die "selektive Vagotomie"

Im Jahre 1946 gab es noch keine Protonenpumpenblocker und auch die H2-Blocker waren noch nicht geboren. Der amerikanische Chirurg Lester Reynold Dragstedt (1893-1975) hatte dennoch eine Möglichkeit gefunden, die Magensäure zu hemmen. Er durchtrennte bei zwei Patienten den Nervus vagus und unterbrach damit erfolgreich das zentrale Signal zur Säureproduktion. Innerhalb nur eines Jahres sind damals mehr als 200 solcher Operationen durchgeführt worden. Leider wurden durch den Eingriff alle anderen Signale, die der betreffende Nerv zu übertragen hatte, natürlich ebenfalls unterbrochen. Insbesondere waren nun die peristaltischen Bewegungen im Magen-Darm-Kanal gestört. So kam es unter anderem zu starken Durchfällen. Um 1960 führte der deutsche Arzt Fritz Holle (geb. 1941) die "selektive Vagotomie" ein, bei der nur bestimmte Äste des Nervus vagus, die direkt zum Magen führen, durchtrennt werden.

Diese chirurgischen Methoden zur Säurehemmung spielen im Zeitalter der Protonenpumpenblocker natürlich keine Rolle mehr.

Anatomische Zeichnung der Verdauungsorgane

Prinzipskizze: Der Nervus vagus
 
 


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Die Säureproduktion langfristig regulieren

Die schädliche Rolle eines zu sauren Magensaftes ist den Ärzten schon lange bekannt. Auch der Laie kann sich gut vorstellen, dass die hochaggressive Salzsäure des Magens, das Letzte ist, was er auf eine Wunde – und darum handelt es sich beim Magengeschwür oder den Erosionen der Speiseröhre im Prinzip – geträufelt bekommen möchte. Die Produktion von Magensäure kann durch moderne Medikamente, wie die Protonenpumpenblocker, wirksam gehemmt werden.

 



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