Behandlung der Refluxkrankheit
Lebensqualität und Wohlbefinden entscheiden mit

"Es waren einmal sieben Fischreiher, die hausten auf einem Feigenbaum und führten das angenehmste Leben von der Welt". So beginnt ein altindisches Tiermärchen, das im Verlauf der Handlung symbolhaft darüber sinniert, was passiert, wenn eine "Medizin schlimmer ist, als das zu behandelnde Übel". Derartige Märchen sind seit alters her volksnahe Träger unzähliger Weisheiten, deren Botschaften selbst im modernen einundzwanzigsten Jahrhundert nichts an Bedeutung verloren haben. In der Tat versteckt sich in auch dem eingangs zitierten Satz ein wichtiger Kerngedanke: Die Forderung nach dem "angenehmen Leben". Letzteres ist nämlich der eigentliche Sinn einer jeden medizinischen Behandlung. Der Arzt therapiert nicht mit dem Ziel, eine Krankheit um ihrer selbst willen zu besiegen, sondern hat den Wunsch, das Wohlbefinden des Kranken zu verbessern. Glücklicherweise ist das eine in den allermeisten Fällen mit dem anderen verbunden. Eine wirksame Bekämpfung der Krankheit, verbessert die Lebensqualität des Patienten. Andernfalls hätte ja die Behandlung auch ihren Sinn verloren und die "Medizin wäre wirklich schlimmer als das Übel". Nun mag das alles sehr trivial klingen und selbst der geneigte Leser ist leicht versucht, die noch folgenden Zeilen schon zu überspringen. Allein der Umstand, dass in der Vergangenheit zwar stets nach den "medizinisch-klinischen Erfolgen" einer Behandlung gefragt wurde, fast nie aber danach, ob sich die subjektive Befindlichkeit des Patienten danach auch wirklich gebessert hat, sollte doch eine kurze Betrachtung Wert sein, die zum Verweilen einlädt.
Es ist unbestreitbar, dass sich ein Patient, der an der Refluxkrankheit leidet, besser fühlt, wenn durch die Verordnung von zum Beispiel Esomeprazol, sein Sodbrennen in kürzester Zeit "verschwindet" oder sogar ein Abheilen eventueller Speiseröhren-Erosionen erzielt werden kann. Die Medizin war schon früher immer sehr akkurat darauf bedacht, diese Heilungserfolge an medizinischen Parametern, wie etwa der Größe und dem Entzündungsgrad der bestehenden Läsionen oder der Güte der Lungenfunktion zu klassifizieren. Erst in den letzten Jahren ist man zunehmend auch dazu übergegangen, die verbesserte "Lebensqualität" als eine der wichtigsten Kenngrößen für den Erfolg einer Behandlung mit zu berücksichtigen. Nun ist die Messung des Cholesterinspiegels oder des Blutdrucks, ja sogar die Flächenbestimmung eines entzündeten Areals eine relativ einfache Sache, die Messung der Lebensqualität eines Patienten hingegen eine wesentlich kompliziertere. In der Vergangenheit sind dazu vielfältige Fragebogen entwickelt worden, die die unterschiedlichsten Kriterien berücksichtigen. Sie erfassen Kategorien, wie zum Beispiel die krankheitsbedingte Einschränkung im täglichen Leben, den Bedarf an zusätzlichen Medikamenten, den subjektiv empfundenen Beschwerdegrad und Ähnliches mehr. Sollten Sie schon einmal dem Begriff "SF36" begegnet sein, so ist damit ein weltweit verbreiteter Fragebogen zur Messung der Lebensqualität gemeint. Für GERD-Patienten gibt es darüber hinaus spezielle Fragebögen, die die Auswirkungen der Krankheit auf die Befindlichkeit des Patienten untersuchen. Die folgende Grafik vermittelt unseren Lesern einmal einen kleinen Eindruck vom "Allgemeinen Wohlbefinden" Refluxkranker. Das "Wohlbefinden" der deutschen Durchschnittsbevölkerung ist durch umfangreiche Befragungen mit dem "Score" 49 ermittelt worden. Herzinfarktpatienten haben naturgemäß ein deutlich schlechteres Wohlbefinden. Sie erreichen im Durchschnitt nur einen Score von 44. Es mag unseren Leser erstaunen, dass die relativ unbeachtete Refluxkrankheit, dessen Hauptsymptom das Sodbrennen ist, sogar zu einem noch geringeren "Allgemeinen Wohlbefinden" führt. Die "schlechte Nachricht" lautet: Refluxkranke erreichen hinsichtlich ihres Wohlbefindens nur einen Score von 43. Die "gute Nachricht" macht hingegen Mut: Nach nur zweiwöchiger medizinischer Behandlung (in diesem Falle mit dem Protonenpumpenblocker Esomeprazol) verbesserte sich auch ihr Score auf den Wert der allgemeinen Durchschnittsbevölkerung.
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