MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Über die "Nicht-Erosive Refluxkrankheit" (NERD)

- Protonenpumpenblocker
- Woher kommt eigentlich der Name Protonenpumpenblocker?
- NERD oder GERD - Was ist der Unterschied?
- Ob ERD oder NERD – Säurehemmung führt meist zur Besserung


Über die "Nicht-Erosive Refluxkrankheit" NERDDer Arzt hilft

Der Begriff GERD ist als die gebräuchliche Abkürzung für deren englischsprachige Bezeichnung Gastro Esophagealen Reflux Disease bekannt, welche zu Krankheitsprozesse und den damit verbundenen Beschwerden führen kann. Fakt ist, dass die "Richtige Säure am falschen Platz" nicht nur ein "leichtes Unbehagen" hervorruft, sondern letztlich zu gefährlichen Verätzungen der Schleimhaut führt. Fast immer geht der Rückfluss des sauren Magensaftes in die Speiseröhre mit quälendem Sodbrennen einher. Oft wird dabei die Schleimhaut so stark geschädigt, dass der Betreffende an einer Speiseröhrenentzündung, der so genannten Refluxösophagitis, erkrankt. Bei manchen Patienten kommt es daraufhin zu einem Umbau der Speiseröhrenschleimhaut. Einige von Ihnen entwickeln im Laufe der Zeit sogar den gefürchteten Speiseröhrenkrebs. So weit muss es aber nicht kommen! Unsere Leser wissen nur zu gut, dass es wirksame Behandlungsmethoden gibt, die der Refluxkrankheit Einhalt gebieten. Die Protonenpumpenblocker gehören dazu. Heute werden wir sehen, dass solche Medikamente auch dann besonders sinnvoll sind, wenn die Refluxkrankheit noch nicht zu Schäden an der Speiseröhre geführt hat.

Protonenpumpenblocker gegen die "Vogel-Strauß-Taktik"

In unserer August-Ausgabe gaben wir einige Tipps, die der Betroffene "in eigener Regie" im Kampf gegen einen zu sauren Magensaft und das Sodbrennen berücksichtigen sollte. So kann ein Verzicht auf zum Beispiel fettreiche Kost das Sodbrennen unter Umständen deutlich mindern. Ein solches "Meideverhalten" ist natürlich keine wirkliche Lösung des Problems. Es gleicht eher der Vogel-Strauß-Taktik, bei dem man den Kopf in den Sand steckt und glaubt, die Gefahr wäre vorüber. In aller Regel ist eine ärztliche Behandlung erforderlich, auf die man schon wegen der drohenden gefährlichen Folgeschäden einer Refluxkrankheit nicht verzichten darf. Im Frühjahr dieses Jahres stellten wir in diesem Zusammenhang die Protonenpumpenblocker vor. Sie gehören zu den wirksamsten Säure-hemmenden Medikamenten. Ihr modernster Vertreter ist das Esomeprazol.

Woher kommt eigentlich der Name "Protonenpumpenblocker"?

Ärzte in aller Welt sind sich heute einig: Die gefährlichen Folgen der Refluxkrankheit können nur durch eine starke und lang anhaltende Verminderung der Magensäure gelindert werden. "Antazida", die lediglich die bereits im Magen vorhandene Säure "neutralisieren", reichen dazu meist nicht aus. Auch die so genannten "H2-Blocker" sind in aller Regel zu schwach. Während letztere die "Befehlskette" zur Produktion der Magensäure teilweise unterbrechen, blockieren "Protonenpumpenblocker" die Herstellung der Säure, indem sie die "biochemische Produktionsanlage" selbst lahm legen. Natürlich ist der Vergleich mit einer "lahm gelegten Produktionsanlage" für das Wirken der Protonenpumpenblocker nicht wörtlich gemeint. Vielmehr wird eine bestimmte biochemische Reaktion "blockiert", die sozusagen das Kernstück der Säureherstellung bildet. Man bezeichnet diese wichtige chemische Reaktionskette als "Protonenpumpe".

Die Herkunft dieses Namens ist leicht erklärt. Im Verlaufe der erwähnten biochemischen Reaktion werden normalerweise Wasserstoff-Ionen H+ und Clorid-Ionen Cl- (die "Bestandteile" der Salzsäure, HCl) aus den Belegzellen des Magens in das Mageninnere abgegeben. Das geschieht jedoch nicht von selbst. So wie beim Wasserholen aus einem Brunnen, ist dafür Arbeit – sprich Energie – erforderlich. In vielen Bereichen der Physik, der Chemie und der Biologie hat sich die Metapher "pumpen" für derartige "energieverbrauchende" Prozesse eingebürgert.

Nun ist es zum Begriff "Protonenpumpe" nur noch ein kleiner Schritt. Für die Stärke einer Säure sind bekanntlich die Wasserstoff-Ionen ausschlaggebend. Je mehr Wasserstoff-Ionen sich im Magen befinden, desto saurer ist es hier. Wasserstoff-Ionen entstehen aus dem Wasserstoffatom durch die Abspaltung eines Elektrons. Da Wasserstoffatome jedoch nur aus jeweils einem Proton und einem Elektron bestehen, führt das Abtrennen des Elektrons tatsächlich zu freien "Protonen".

Protonenpumpenblocker verhindern jene enzymgesteuerte chemische Synthese in der Belegzelle des Magens, die das "Pumpen" von "Protonen" in das Mageninnere ermöglichen würde. Übersetzt heißt das, sie verhindern die Herstellung der Magensäure.

NERD oder GERD - Was ist der Unterschied

Die Sprache ist ein Produkt der Menschwerdung. Man nimmt an, dass sie vor etwa 300.000 bis 400.000 Jahren bei den Neandertalern entstand. Sprache ist eines unserer wichtigsten Kommunikationssysteme. Das Sprachverständnis und die kommunikativen Fähigkeiten werden durch die linke Gehirnhälfte gesteuert. In aller Regel ist Sprache deshalb auch logisch ?. So greift selbstredend keine Sprache der Welt auf Laute zurück, die der Mensch nicht auf natürliche Weise erzeugen kann. Sprache entwickelt sich. Im Laufe der Zeit entstehen immer wieder – zunächst merkwürdig anmutende –"Neuschöpfungen", die sich über kurz oder lang aber in die ganz normale Alltagssprache integrieren oder aber wieder im Schatten der Vergessenheit verschwinden. Denken Sie nur einmal an das Wort "emailen". Während noch vor zwei Jahrzehnten niemand etwas damit anzufangen gewusst hätte, ist dieses Verb heutzutage fester Bestandteil des Vokabulars eines jeden Internet-Teilnehmers. Mit einer Vielzahl von Abkürzungen ist das nicht anders. Einige dieser "Kürzel" begleiten uns ständig durch das tägliche Leben, andere haben ihren angestammten Platz in der "Welt der Wissenschaft" noch nicht verlassen. "Pay-TV" mag als Beispiel für die erste Gruppe gelten. NERD wollen wir vorerst zur zweiten zählen.

Leser unseres Journals sind es gewohnt, mit Kunstwörtern und Abkürzungen umzugehen. Viele dieser Abkürzungen setzen sich aus den Anfangsbuchstaben umständlicher "Begriffswürmer" zusammen. Einige dürften uns bereits in "Fleisch und Blut" übergegangen sein. Die Bezeichnung GERD gehört sicherlich dazu. Sie ist auch gleichzeitig die Brücke, über die wir gehen wollen, um das Kunstwort NERD zu entschleiern. Die Refluxkrankheit GERD kann, wie wir bereits wissen, zu schweren Schäden der Speiseröhrenschleimhaut führen. Sind solche Schäden bereits eingetreten, kann der Arzt also bereits eine Speiseröhrenentzündung mit Erosionen im Gewebe erkennen, so spricht er von einer "Erosiven Refluxkrankheit" (ERD = Erosive Reflux Disease). Leidet der Betreffende an einer Refluxkrankheit, ohne dass solche gefährlichen Gewebsveränderungen schon vorliegen, dann bescheinigt der Arzt eine "Nicht-Erosive Refluxkrankheit" (NERD = Non-Erosive Reflux Disease). Ganz allgemein können wir uns merken, das mit NERD eine Refluxkrankheit bezeichnet wird, die zwar schon fast alle Beschwerden mit sich bringt, aber glücklicherweise noch nicht zu dauerhaften Schäden der Speiseröhre führte.



Wir wissen bereits, dass das Sodbrennen das Hauptsymptom für die Refluxkrankheit ist. Sodbrennen ist in den westlichen Industrieländern weit verbreitet. Von hundert Patienten, die man beim Arzt antrifft, haben 51 eine Refluxkrankheit (natürlich sind nicht alle nur deswegen in die Praxis gekommen...). Schaut man sich die "Refluxer" einmal genauer an, so haben fast zwei Drittel noch keine Erosionen in der Speiseröhre. Mit anderen Worten, ist NERD die häufigste Form der Refluxkrankheit!

Ob ERD oder NERD – Säurehemmung führt meist zur Besserung

Die Refluxkrankheit GERD nimmt einerseits mit dem Lebensalter zu. Siebzigjährige leiden fast neunmal häufiger daran, als Jugendliche im Alter um die zwanzig. Andererseits wird die Anzahl der Refluxkranken generell beständig größer. Seit 1975 hat sie sich mehr als vervierfacht. Je stärker die Beschwerden sind, desto schlechter fühlt sich der Betroffene. Bei leichten Refluxbeschwerden kommt es statistisch gesehen zu etwa 30 Minuten krankheitsbedingtem Arbeitsausfall in der Woche, bei schweren "Symptomen" sind es sieben Stunden! Dabei ist es offenbar unerheblich, ob der Refluxpatient an ERD oder NERD leidet, also ob schon Erosionen an der Speiseröhre gefunden werden oder nicht. Befragten wir einen ERD- und einen NERD-Patienten nach ihren Beschwerden, würde uns schnell klar, warum das so ist: Beide werden uns vermutlich antworten, sie hätten Sodbrennen und saures Aufstoßen, litten an Schluckbeschwerden und sind gelegentlich heiser. Wie es "innen drin" genau aussieht, offenbart nur die "Spiegelung". Eine starke Säurehemmung ist hier die beste Medizin. Zwei Lehren müssen wir aus dieser Tatsache ziehen: Erstens profitieren sowohl Refluxkranke mit Erosionen der Speiseröhre (vor allem also Patienten mit einer Speiseröhrenentzündung), als auch jene, die bislang "bloß" an Sodbrennen leiden, von der Säurehemmung, weil diese genau jene Beschwerden lindert, an denen beide leiden. Gerade diese Säurehemmung kann zudem die Herausbildung weiterer Erosionen verhindern. Deshalb sollte zweitens jeder Refluxkranke in den Genuss einer entsprechenden säurehemmenden Behandlung kommen.
 
 


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Nicht-Erosive Refluxkrankheit" NERD

Ärzte in aller Welt sind sich heute einig: Die gefährlichen Folgen der Refluxkrankheit können nur durch eine starke und lang anhaltende Verminderung der Magensäure gelindert werden. "Antazida", die lediglich die bereits im Magen vorhandene Säure "neutralisieren", reichen dazu meist nicht aus. Auch die so genannten "H2-Blocker" sind in aller Regel zu schwach. Während letztere die "Befehlskette" zur Produktion der Magensäure teilweise unterbrechen, blockieren "Protonenpumpenblocker" die Herstellung der Säure, indem sie die "biochemische Produktionsanlage" selbst lahm legen.

 



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