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Magenbeschwerden - durch Rheuma verursacht? Eigentlich müssten Protonenpumpenblocker weltweit zu den mit am häufigsten verordneten Arzneimitteln gehören. Immerhin leiden schätzungsweise jeder vierte Franzose und jeder fünfte Amerikaner an der Refluxkrankheit. In Deutschland zählen etwa 12 Prozent aller Erwachsenen dazu. Vor allem die über 40jährigen sind potentiell gefährdet. Leider lassen Menschen, die an Sodbrennen leiden, durchschnittlich 87 Wochen, also fast zwei Jahre, verstreichen, bevor sie zum "Doktor" gehen. Dies ist einerseits gefährlich, weil sich auf der Basis einer Refluxkrankheit im Laufe der Zeit Speiseröhrenentzündungen oder sogar Vorstufen für den gefürchteten Speiseröhrenkrebs entwickeln können. Andererseits ist es auch einfach ärgerlich, weil nach der Gabe eines Protonenpumpenblockers die Beschwerden oft bereits am ersten Tag nach der Einnahme verschwunden sind. Die lange Quälerei mit dem Sodbrennen ist also wirklich nicht nötig…
Verursacht Rheuma auch Magenbeschwerden?Um es gleich vorweg zunehmen: Die Antwort muss korrekterweise "nein" heißen. Dennoch sind gerade Rheumakranke besonders oft von Magenproblemen geplagt. Dieser scheinbare Widerspruch klärt sich schnell auf: Wer Rheuma hat, muss in der Regel mit Schmerzmitteln (Analgetika) behandelt werden – und Magenprobleme sind deren häufigste Nebenwirkung! Wer zum Beispiel das bewährte Analgetikum Acetylsalicylsäure (ASS) dauernd einnimmt, hat 43mal häufiger Magen-Darm-Geschwüre, als der "Normalbürger"…Unter dem Begriff "Rheumatismus" verstecken sich eigentlich mehr als 100 verschiedene Erkrankungen. Ihnen allen ist eine Funktionsstörung des Bewegungssystems gemeinsam. Nicht immer ist eine abnutzungsbedingte Degeneration der Gelenke oder der Wirbelsäule oder eine chronische Gelenkentzündung Schuld an den rheumatischen Beschwerden. Selbst Viruserkrankungen und vor allem Störungen des körpereigenen Immunsystems können letztlich zum Rheuma führen. Auch die volksbekannte Schuppenflechte wird zum "rheumatischen Formenkreis" gerechnet, weil sie im fortgeschrittenen Stadium in eine Gelenkdeformation münden kann. Fast kurios mag es unseren Lesern erscheinen, dass sogar die Borreliose, eine "Infektionskrankheit" die durch den Biss der in Europa weit verbreiteten Zecke hervorgerufen wird, manchmal zu Rheuma führt. Die genauen Ursachen des Rheumas sind noch immer nicht vollständig bekannt. Eine "kausale" Behandlung ist daher nur in wenigen Fällen möglich. Die Rheumatherapie konzentriert sich vor allem auf die Beseitigung der auftretenden Beschwerden. Der Arzt spricht hier von einer "symptomatischen" Therapie. Fragt man Menschen, die an Rheuma leiden, nach ihren Hauptbeschwerden, wird mit Sicherheit der Schmerz genannt. Die Gliedmaßen tun weh, das Becken macht Beschwerden und beim Schnürsenkelbinden schmerzt der Rücken. Es ist in diesem Lichte nur natürlich, dass Schmerzmittel zu den wichtigsten Rheumamedikamenten überhaupt zählen. Sie stehen mit fast 100 Millionen Verordnungen im Jahr an der Spitze aller in Deutschland verbrauchter Arzneimittel. Unter den Schmerzmitteln hat sich vor allem eine Gruppe besonders bewährt: Die so genannten Nicht-Steroidalen Anti-Rheumatika, NSAR. Sie sind wegen ihrer ausgezeichneten schmerzlindernden und oft auch hervorragenden entzündungshemmenden Wirkung besonders beliebt. Weltweit nehmen an jedem einzelnen Tag etwa 30 Millionen Menschen NSAR ein. Doch wo Licht ist, da fällt auch Schatten: Leider verursachen die meisten NSAR bei langfristiger Anwendung erhebliche Nebenwirkungen. Bei zwei von drei Patienten geht die Schmerzmitteleinnahme im Laufe der Zeit mit einer Schädigung der Magenschleimhaut einher. In 45 Prozent aller Fälle kommt es zu Mikroblutungen und bei fast jedem sechsten zum Magengeschwür (Ulkus). Durchschnittlich 12 Prozent aller Menschen mit einem solchen Ulkus erleiden Komplikationen. Untersuchungen aus dem Jahr 2000 belegten, dass einer von 1.220 Patienten, die mit NSAR behandelt werden, aufgrund solcher Komplikationen verstirbt. Für deutsche Verhältnisse kann man sich als Schätzung einfach die folgende "Zehnerregel der Rheumatherapie" merken: Die Zehnerregel der Rheumatherapie Blutende Magengeschwüre – eine gefährliche Komplikation nach NSAR-Einnahme Schwarze Schafe bei der Rheuma-Behandlung ?NSAR haben ihre guten und schlechten Seiten. In der Literatur kursieren verschiedene "schwarze Listen" mit solchen Substanzen, die zu besonders starken Komplikationen führen können. Viele Substanzen, die recht häufig eingesetzt werden, wie zum Beispiel der Wirkstoff Ibuprofen, werden glücklicherweise zur Gruppe mit niedriger "Gastro-Toxizität" gezählt. Die Blutungs- und Komplikationsneigung ist natürlich stark von der verwendeten Dosierung abhängig. Für das am häufigsten eingesetzte Schmerzmittel überhaupt, die Acetylsalizylsäure (ASS), verdoppelt sich das Blutungsrisiko glücklicherweise lediglich – vorausgesetzt man nimmt nicht mehr als 75 Milligramm täglich ein. Die doppelte Dosis verdreifacht diese Gefahr jedoch, und eine tägliche Gabe von bis zu 300 Milligramm birgt bereits ein vierfach erhöhtes Risiko für gefährliche Komplikationen.Rheumabehandlung ohne RisikoMagengeschwüre infolge einer Schmerzmitteltherapie heilen wahrscheinlich rasch wieder ab, wenn man auf das Schmerzmittel verzichten würde. Auf eine solche Lösung des Problems kann sich jedoch weder der Rheumakranke, noch der Arzt verlassen. Er wird unverzüglich eine wirksame Ulkusbehandlung einleiten, deren Ziel es ist, die Magensäure soweit abzuschwächen, dass das Geschwür ungestört ausheilen kann. Dazu steht ihm heutzutage ein großes Arsenal wirksamer Substanzen zur Verfügung. Bekanntlich gehören die Protonenpumpenblocker zu den wirksamsten und stärksten Säure-hemmenden Medikamenten. Eine Behandlung mit Protonenpumpenblockern gewährleistet den bestmöglichen Säureschutz und führt zu einer raschen Ausheilung des Geschwürs.Mehr noch: Ihre zusätzliche Gabe während einer andauernden Schmerzmitteleinnahme hat sogar einen prophylaktischen Effekt und verhindert die Bildung von Magengeschwüren in vielen Fällen von vornherein. Der Arzt verordnet jenen Patienten, die oft und lange NSAR einnehmen müssen, daher einfach Protonenpumpenblocker als "zusätzlichen Magenschutz". Aus unseren vergangenen Ausgaben kennen wir einige Protonenpumpenblocker und deren Wirkweise bereits genauer. Der Begriff "Protonenpumpe" ist symbolisch zu verstehen und bezeichnet jene enzymatisch gesteuerten biochemischen Reaktionsabläufe, die letztlich zur Ausschüttung von Protonen aus bestimmten säureproduzierenden Zellen in den Magen führen. In diesen so genannten Belegzellen werden Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) zu Wasserstoff-Ionen (H+ = Protonen) und Bikarbonat (HCO3-) umgewandelt. Die Protonen werden in den Magen abgegeben. Das Bikarbonat gelangt hingegen in das Blut und wird später unter dem Einfluss der erwähnten Prostaglandine zum schützenden Schleim unserer Magenschleimhaut verarbeitet. Die Belegzelle reicht zudem noch Chlor-Ionen (Cl-) aus dem Blut an das Mageninnere weiter. Jetzt bedarf es sicherlich nur noch einer kurzen Erinnerung: H+ und Cl- ist nichts anderes als HCl, also Salzsäure! Weil Protonenpumpenblocker, wie zum Beispiel der moderne Wirkstoff Esomeprazol, das Herzstück dieses ganzen komplizierten Prozesses, die Protonenpumpe, außer Kraft setzen, vermindern sie auch die verfügbare Magensäure und schützen vor dem Magengeschwür. |
Rheuma: Unter dem Begriff "Rheumatismus" verstecken sich eigentlich mehr als 100 verschiedene Erkrankungen. Ihnen allen ist eine Funktionsstörung des Bewegungssystems gemeinsam. Nicht immer ist eine abnutzungsbedingte Degeneration der Gelenke oder der Wirbelsäule oder eine chronische Gelenkentzündung Schuld an den rheumatischen Beschwerden. Selbst Viruserkrankungen und vor allem Störungen des körpereigenen Immunsystems können letztlich zum Rheuma führen.
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