|
|||||||||||||||||||||
Warum auch Rheumapatienten einen Säureschutz brauchen
17 Prozent aller Arztbesuche sind rheumatischen Beschwerden geschuldet. Von den über 60jährigen leidet sogar fast jeder zweite an Rheuma. Schmerzmittel und entzündungshemmende Rheuma-Medikamente werden deshalb besonders häufig verschreiben. Mit fast 97 Millionen Verordnungen stehen sie an der Spitze aller in Deutschland verbrauchten Arzneimittel. Aber auch jüngere Menschen benötigen Tabletten gegen Schmerzen. Fast jeder hat schon 'mal ein Aspirin eingenommen, um sein Kopfweh "im Zaum" zu halten oder einen Zahn zu beruhigen. Der Wirkstoff dieser Tablette ist die Acetylsalicylsäure (ASS). Viele Leser wissen bereits, dass diese Substanz auch verordnet wird, um das Blut gewissermaßen flüssiger zu machen und so einer Verstopfung der Blutgefäße vorzubeugen. Schmerzmittel wie Aspirin sind in Deutschland also keineswegs eine seltene Sache. Sie gehören zur großen Gruppe der so genannten nicht-steroidalen Antirheumatika und werden der Einfachheit halber oft nur NSAR genannt. Der Name hat etwas mit der Beschaffenheit des chemischen Moleküls dieser Schmerzmittel zu tun. NSAR werden täglich von mehr als 30 Millionen Menschen weltweit eingenommen. Diese Zahl steht vor allem als Beleg für die gute Wirkung solcher Medikamente. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten: Der dauernde Gebrauch von NSAR geht häufig mit Nebenwirkungen einher. Durchschnittlich jeder fünfte NSAR-Patient entwickelt Magengeschwüre. Das Zwölffingerdarmgeschwür kommt bei diesen Menschen sogar 43mal häufiger vor, als im Bevölkerungsdurchschnitt! Jeder zwanzigste mit NSAR behandelte Patient hat Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Letztere sind die Ursache für jährlich beinahe 3.000 Todesfälle. Was ist der Grund für diese scheinbar zusammenhangslosen "Zufälle"? NSAR hemmen die Herstellung bestimmter körpereigener Substanzen, der so genannten Prostaglandine. Das ist in gewissem Maße auch sinnvoll, denn Prostaglandine sind die Vermittlerstoffe für die Entstehung von Entzündungen und steigern die Schmerzempfindlichkeit. Zugleich erweisen sie sich aber auch als nützlich. Sie sind für den Schutz von Magen und Darm verantwortlich. Prostaglandine fördern die Bildung des schützenden Schleims, produzieren Stoffe, die die Magensäure neutralisieren können und regen die Schleimhautneubildung an. Wir stehen hier vor einem echten Dilemma. Einerseits müssen die Prostaglandine gehemmt werden, um den Schmerz zu beseitigen, andererseits nehmen wir damit aber auch den Verlust einer wichtigen Schutzfunktion in kauf. Manche NSAR haben sogar noch einen zweiten unerwünschten Effekt. Sie werden von der Magenschleimhaut aufgenommen, reichern sich dort an und führen anschließend zum Zelltod. Obwohl sich die Schleimhaut innerhalb weniger Stunden regeneriert, kann eine Dauertherapie mit solchen Schmerzmitteln daher die erwähnten Geschwüre verursachen. Die Forscher sind sich dieser Tatsachen seit langem bewusst. Sie versuchen, aus dem Teufelskreis herauszukommen, indem sie sich bemühen, solche Medikamente zu entwickeln, die zwar die schmerzstillende Wirkung durch die Prostaglandin-Hemmung zeigen, gleichzeitig aber deren schleimhautschädigende Effekte vermeiden.Es ist gut vorstellbar, wie schwierig dieses Unterfangen ist. In der täglichen Praxis ist man daher einen einfacheren Weg gegangen. Man verordnet Patienten, die oft und lange NSAR einnehmen müssen, einfach einen zusätzlichen Magenschutz. Gelingt es, die Säurestärke im Magen zu vermindern, können Schleimhautschäden weitgehend vermieden werden. Wenden wir uns noch einmal der Acetylsalicylsäure zu. Bei einem normalen pH-Wert* im Magen (also etwa "2", was sehr sauer bedeutet) wurden tierexperimentell schwere Schleimhautschäden beobachtet, wenn man lange Zeit ASS gibt. Gelingt es, den pH-Wert anzuheben – also die Magensäure abzuschwächen – treten nur noch sehr geringe Schäden auf. Eine lang anhaltende Säurehemmung erweist sich also als guter Schutz vor den schädlichen Nebenwirkungen der NSAR. Wir müssen unsere Leser an dieser Stelle sicherlich nicht daran erinnern, das die Protonenpumpenblocker "die Nase vorn" haben, was die Säurehemmung betrifft. Nun wird vor allem auch klar, warum auch Rheumapatienten von ihrem Arzt Protonenpumpenblocker neben ihren Schmerzmitteln verschrieben bekommen. * Zur Erinnerung: Der pH-Wert ist ein Ausdruck für die Stärke einer Säure. In wässrigen Lösungen, liegt er zwischen 1 und 14. Dabei bedeutet 1 sehr sauer und 14 sehr basisch. Wasser ist "neutral" und hat den pH-Wert 7. >> zur Übersicht Forschung & Magen |
Forschung heute - Rheumapatienten benötigen einen Säureschutz
Das Geschwür des Zwölffingerdarms kommt bei bestimmten Menschen sogar 43mal häufiger vor, als im Bevölkerungsdurchschnitt! Jeder zwanzigste mit NSAR behandelte Patient hat Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Letztere sind die Ursache für jährlich beinahe 3.000 Todesfälle.
|
||||||||||||||||||||