MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Peptische Magengeschwüre

"Pro Jahr erkranken in der Bundesrepublik 1,2 Millionen Menschen an insgesamt 2,1 Millionen Ulcera duodeni oder ventriculi. 8.000 Patienten sterben jedes Jahr an Ulcuskomplikationen".

MagengeschwüreDiese Nachricht ist einer medizinischen Zeitung aus dem Jahre 1990 entnommen. Sie bedarf einer Erklärung: Ulcus ist die medizinische Bezeichnung für ein Geschwür. Im Plural spricht man von Ulcera. Beim Ulcus duodeni handelt es sich um den lateinischen Ausdruck für ein Zwölffingerdarmgeschwür. Das Ulcus ventriculi kennzeichnet ein Magengeschwür. Beide treten oft gemeinsam auf. Geschwüre sind schmerzhafte Läsionen die meist durch den Einfluss der Magensäure verursacht werden. Man fasst derartige Geschwüre auch unter dem Namen "peptische Geschwüre" zusammen. Diese Bezeichnung werden auch wir hier verwenden. Peptische Geschwüre machen sich schnell bemerkbar. Der Betroffene hat Schmerzen im Oberbauch, die häufig krampfartig, stechend oder bohrend in Erscheinung treten. Je nach Lokalisation des Geschwürs kommt es zum "Nüchternschmerz", bei dem eine kurzfristige Linderung unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme bemerkt wird, oder zu einer Zunahme der Beschwerden während des Essens. Die Schmerzen können auch bis in den Rücken ausstrahlen, manchmal tritt Übelkeit oder Erbrechen hinzu. Allein aus der genauen Schilderung dieser Symptome ist dem Arzt bereits eine Eingrenzung des Krankheitsbildes möglich. Ein Drittel aller Betroffenen spürt jedoch anfänglich gar nichts und ist dennoch bereits am Geschwür erkrankt:

Peptische Geschwüre im Zwölffingerdarm

Peptische Geschwüre im Zwölffingerdarm (1) bzw. direkt im Magen (2)


Was die peptischen Geschwüre betrifft, haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht für unsere Leser. Üblicherweise stellt man sich der schlechten zuerst: Geschwüre sind nicht nur äußerst schmerzhaft, aus ihnen kann sich auch Krebs entwickeln. Ebenso gefährlich sind die mit den Geschwüren manchmal einhergehenden Blutungen oder sogar ein Durchbruch des Geschwürs durch die Magen- oder Darmwand. Nun zur guten Nachricht: Das eingangs aufgeführte Zitat ist bereits einige Jahre alt. Heutzutage werden peptische Geschwüre nur noch relativ selten gefunden. Vergleichen wir einmal die Häufigkeit unserer altbekannten GERD mit der peptischer Geschwüre. Während die Refluxkrankheit rasant ansteigt, werden peptische Geschwüre seit geraumer Zeit immer seltener:

Diagramm


Ein weltberühmter Gastroenterologe (Facharzt für Magen- und Darm-Erkrankungen) sagte einmal im Scherz: "Wenn das so weitergeht, finden meine jungen Assistenz-Ärzte peptische Geschwüre nur noch im Lehrbuch". Natürlich ist das eine besonders erfreuliche Entwicklung. Wo liegen nun aber die Ursachen für diesen Fortschritt? Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich doch kaum geändert; und dass die genetischen Voraussetzungen der Deutschen sich innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten so grundlegend zum Vorteil gewandelt haben könnten, glaubt sicherlich auch keiner unserer Leser. Das Geheimnis ist jedoch schnell gelüftet. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich unter den Ärzten die Kenntnis durchgesetzt, dass fast 90 Prozent aller Geschwüre durch ein winziges Bakterium hervorgerufen werden. Es ist das Helicobacter pylori.

Ein berühmter Patient


Ein berühmter Patient (1769 – 1821) mit Magengeschwüren. War die Sorge um Waterloo oder Helicobacter pylori die Ursache?

Die Säurehemmung änderte alles

Schon kurze Zeit nach der Entdeckung des Helicobacter pylori gaben sich Ärzte in aller Welt die größte Mühe, dieses Bakterium auszurotten. Das war wahrhaftig keine leichte Aufgabe, stellte sich doch heraus, dass fast die Hälfte der Weltbevölkerung damit infiziert ist. Nur ein Glück, dass nicht jeder zweite Mensch auch ein peptisches Geschwür hat, mag man denken*. Bei bakteriellen Infektionen verschreibt der Arzt gewöhnlich ein Antibiotikum. Wir nehmen es zum Beispiel bei einer Lungenentzündung oder auch dann, wenn unsere Mandeln vereitert sind. Bis in die 1990er Jahre kam natürlich kein Mensch auf die Idee, ein Antibiotikum gegen peptische Geschwüre einzusetzen. Das sollte sich dann aber schlagartig ändern. Die Ärzte probierten ein Antibiotikum nach dem anderen aus, um die "bakterielle Ursache" der Geschwüre zu bekämpfen. Helicobacter pylori widerstand den meisten. Der Keim war einfach nicht auszurotten. Bis die Forscher plötzlich auf eine entscheidende Idee kamen. Sie kombinierten zwei verschiedene Antibiotika mit einem Protonenpumpenblocker – und hatten Erfolg. Nach einer nur siebentägigen Behandlung lagen die Heilungsraten bei fast 100 Prozent! Das hatte es in der Medizin bisher noch nicht gegeben. Dem Arzt stand nun eine Therapie zur Verfügung, die die Hauptursache der Magengeschwüre fast sicher verhindern konnte. Unsere Leser können im Übrigen am Abknicken der Kurve in unserer Grafik nachvollziehen, dass die Einführung dieser Behandlungsmethode im Jahre 1996 in Deutschland erfolgte. Die neue Therapie schlug zudem gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Nicht nur das Helicobacter pylori konnte nun erfolgreich abgetötet werden, sondern die Abheilung des peptischen Geschwürs erforderte ja ohnehin eine starke Säurehemmung. Es ist ganz klar, dass keine Wunde ordentlich verheilen kann, wenn man dauernd Säure auf sie tropft... Die Säurehemmung war deshalb schon vorher immer die "Therapie der Wahl" bei Magen- oder Darmgeschwüren. Der Einsatz von modernen Protonenpumpenblockern führt bei neun von zehn Patienten mit einem peptischen Geschwür innerhalb von nur einer Woche zur Besserung der Beschwerden und nach wenigen Wochen meistens zur kompletten Abheilung. Operationen erübrigen sich daher heute fast immer. Lesen Sie in unserer Rubrik "Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung", warum die Säurehemmung sogar für Rheumapatienten von Nutzen ist.

* Wie oft im Leben gilt auch hier, wenn eine Aussage richtig ist, muss ihr Umkehrschluss nicht notwendig auch richtig sein. Fast alle peptischen Geschwüre basieren auf einer H.P.-Infektion, aber nicht jeder H.P-Träger bekommt auch ein peptisches Geschwür.
 
 


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Magengeschwüre

Ulcus ist die medizinische Bezeichnung für ein Geschwür. Im Plural spricht man von Ulcera. Beim Ulcus duodeni handelt es sich um den lateinischen Ausdruck für ein Zwölffingerdarmgeschwür. Das Ulcus ventriculi kennzeichnet ein Magengeschwür.

 



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