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Magengeschwüre Magengeschwüre entstehen vor allem durch die langjährige Einnahme von Schmerz- und Rheumamitteln. Wir wissen nur zu gut, dass viele Menschen täglich auf derartige Medikamente angewiesen sind. Gute Ratschläge in der Art "dann lass' doch die Pille 'mal weg" verlagern die Gesundheitsprobleme nicht nur auf einen anderen Bereich, sondern können sich sogar als gefährlich erweisen. Betroffene Rheumapatienten, die auch unter Magenbeschwerden leiden, scheinen also doppelt in der Zwickmühle zu sein. Sie werden nicht nur durch ihre Schmerzen geplagt, sondern riskieren mit der erfolgreichen Schmerzbekämpfung gleich ein neues Übel, das Magengeschwür. Leser, die unser Online-Journal schon länger regelmäßig nutzen, wissen jedoch: Es gibt einen Weg aus dem Dilemma. Die Gefahr von Magengeschwüren kann trotz Schmerzmitteleinnahme nahezu gebannt werden, wenn es gelingt, den pH-Wert des Magensaftes anzuheben. Die ätzende Säure ist dann weniger schädlich für die durch Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) vorgeschädigte Magenschleimhaut. Geschwüre können daher kaum noch entstehen und bereits vorhandene heilen schnell ab. Natürlich ist dazu eine starke und langanhaltende Abschwächung der Magensäure erforderlich. Protonenpumpenblocker haben gerade hier die sprichwörtliche "Nase vorn". Von allen bekannten Säurehemmern sind sie am wirkungsvollsten. Einer ihrer modernsten Vertreter ist das Esomeprazol. Den Protonenpumpenblockern gilt auch in dieser Ausgabe wieder unsere Aufmerksamkeit.
Protonenpumpenblocker waren schon oft das Thema in unserem eJournal. Diese Wirkstoffe finden eine breite Anwendung bei der Bekämpfung von Sodbrennen und der Refluxkrankheit. Sie vermögen das Risiko einer Speiseröhrenentzündung zu minimieren und beugen damit der Entstehung des Speiseröhrenkrebses vor. Der Arzt verschreibt sie zur Bekämpfung von Magengeschwüren und sogar bei einer weit verbreiteten Infektion, der Helicobacteriose. Wer mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert ist, beherbergt nicht nur einen besonders unwillkommenen Gast in seinem Magen, sondern ist auch der Gefahr von Zwölffingerdarm-Geschwüren ausgesetzt. Neun von zehn dieser Geschwüre werden durch H.p., wie der Keim landläufig abgekürzt wird, verursacht. Die Bekämpfung von Bakterien erfordert natürlich ein Antibiotikum. H.p. hat sich im Laufe der Zeit jedoch so erfolgreich an das Milieu im Magen angepasst, dass in seinem Fall gleich mehrere verschiedene Antibiotika und ein Protonenpumpenblocker zur Keimbeseitigung erforderlich sind. Fasst man all diese Einsatzgebiete für Protonenpumpenblocker zusammen, so müsste grob gerechnet eigentlich nahezu jeder schon einmal ein solches Medikament erhalten haben: In Deutschland leidet fast jeder zweite Bürger an Sodbrennen. Die Anzahl der Menschen mit ausgeprägten Reflux-Symptomen hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Drei von vier Betroffenen haben bereits chronische Beschwerden. Gleichzeitig sind nahezu 40 Millionen Menschen mit Helicobacter pylori infiziert. Das ist fast die Hälfte aller Einwohner! Und auch der Schmerzmittelverbrauch wächst. Jährlich wird in Deutschland fast 100 Millionen Mal ein Schmerzmittel verordnet. ![]() Protonenpumpenblocker haben sich bei all diesen vielfältigen medizinischen Anwendungen vor allem eines Vorteils wegen so hervorragend etabliert: Sie vermögen das "Zuviel an Magensäure" am besten und am längsten zu verringern. Weder Antazida, die man zum Beispiel als Kautabletten im Supermarkt kaufen kann, noch die so genannten H2-Blocker, die vor der Ära der Protonenpumpenblocker lange Zeit treue Dienste geleistet hatten, können mit ihnen Schritt halten. AlternativlosDie Säure-Abschwächung mittels Antazida ist ebenso einfach wie unzuverlässig. Antazida wirken zwar sofort "neutralisierend" auf die im Magensaft vorhandene Salzsäure (HCl) und beseitigen den Schmerz rasch. Ihre Wirkung ist jedoch nur von kurzer Dauer. Für die Linderung eines chronischen Sodbrennens bzw. bei der Behandlung der Refluxkrankheit sind sie denkbar ungeeignet. Außerdem bekämpfen sie die Gefahr nur "für den Augenblick", weil sie gleichzeitig zu einer vermehrten Produktion neuer Magensäure führen. Antazida sollen die Magensäure hemmen, verschlimmern die Beschwerden aber auf lange Sicht!Eine langfristige Hemmung der Magensäure ist nur möglich, wenn man deren Produktion unterbindet. Die ersten Wirkstoffe, die eine solche Produktionshemmung möglich machten, waren die so genannten H2-Blocker. Sie blockieren die "Histamin-2-Rezeptoren", die in der biochemischen Befehlskette zur Säureproduktion eine entscheidende Rolle spielen. Leider führen jedoch auch bei der Säureproduktion "viele Wege nach Rom". Es gibt Umwege, auf denen das Signal zum Produktionsstart doch noch sein Ziel erreicht. In unserer Grafik sind das die Pfeile mit den Botenstoffen Acetylcholin und Gastrin. Die Säureproduktion ist durch die Blockade der Histamin-Wirkung also nur teilweise gehemmt. Zur Bekämpfung eines gelegentlichen leichten Sodbrennens mag dies ja ausreichen, bei der Speiseröhrenentzündung müssen jedoch größere Geschütze ins Feld geführt werden… Sehr viel besser wäre es zum Beispiel, die Magensäureproduktion am Ort ihrer Entstehung selbst zu verhindern – unabhängig davon, ob noch Produktionsbefehle eingehen oder nicht. Dieses Kunststück ist den Wissenschaftlern tatsächlich gelungen. Sie sind heute in der Lage, die Protonenpumpe, die "Zentrale der Magensäureproduktion" in der Belegzelle, selbst zu hemmen. Wird die Protonenpumpe abgeschaltet, ist keinerlei Säureproduktion mehr möglich. Der Organismus braucht eine gewisse Zeit um neue Protonenpumpen zu bauen. Die Säurehemmung beträgt deshalb über einen recht langen Zeitraum mehr als 99 Prozent. Drei Wege, der Säure Herr zu werden: pH-Werte richtig beurteilenWohl jeder vermag intuitiv festzustellen, ob etwas sauer ist oder nicht. Natürlich wird diese Bewertung durch das individuelle Empfinden verfälscht. Und es spielt auch eine Rolle, wie trocken der vorher genossene Rotwein war, wenn es zum Beispiel darum geht, die Süße des Dessertweins zum Abschluss eines guten Essens zu bewerten. Mutter Natur kann sich auf derlei Unsicherheiten nicht einlassen. In der Biochemie unseres Körpers spielt Exaktheit eine besonders große Rolle. Wie sauer etwas "in Wirklichkeit" ist, wird durch die Anzahl der vorhandenen Protonen H+, also der Wasserstoff-Ionen, bestimmt. Deshalb wird genau dieses Maß auch zum Kriterium bei der Bewertung der Stärke einer Säure herangezogen. Aus praktischen Gründen zählt man jedoch nicht die einzelnen Protonen ab, sondern bestimmt ihre Konzentration. Biochemiker benutzen dazu die Einheit "Mol je Liter". Weil selbst die sauersten Flüssigkeiten noch immer eine im Verhältnis zu den übrigen Atomen vergleichsweise kleine Konzentration an H+-Ionen aufweisen, hat man sich entschlossen, den negativen dekadischen Logarithmus der Wasserstoff-Ionenkonzentration, und nicht deren Konzentration selbst, als den alles bestimmenden Maßstab für die Säurestärke zu wählen. Nach dem französischen Ausdruck pouvoir hydrogène wird diese wichtiger Parameter als pH-Wert bezeichnet. Je kleiner der pH-Wert einer Flüssigkeit, desto "saurer" ist sie.pH-Werte verschiedener Flüssigkeiten
Wie wir sehen, beträgt der Unterschied zwischen der harmlosen Zahncreme und dem verätzend wirkenden basischen Salmiakgeist gerade 'mal 2 pH-Einheiten. Der wohlbekömmliche Wein und die selbst Eisennägel zersetzende Magensäure unterscheiden sich sogar nur um ein DpH von 1,5. Geringe pH-Unterschiede haben also große Wirkungen. Wenn daher zur Behandlung einer Speiseröhrenentzündung zum Beispiel ein pH=4 über 24 Stunden eingestellt werden muss, dann erfordert dies keineswegs lediglich die Halbierung der ursprünglichen Säurestärke von pH=2, sondern entspricht einem Unterschied von 1 zu 100! Für die Behandlung ist daher eine 99prozentige Säurehemmung erforderlich. Dieser Zahl begegneten wir bereits, als wir über die Protonenpumpenblocker sprachen… |
PROTONENPUMPEN-
BLOCKER
Die Wirkstoffe finden eine breite Anwendung bei der Bekämpfung von Sodbrennen und der Refluxkrankheit. Sie vermögen das Risiko einer Speiseröhren- entzündung zu minimieren und beugen damit der Entstehung des Speiseröhrenkrebses vor. Der Arzt verschreibt sie zur Bekämpfung von Magengeschwüren und sogar bei einer weit verbreiteten Infektion, der Helicobacteriose. Wer mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert ist, beherbergt nicht nur einen besonders unwillkommenen Gast in seinem Magen, sondern ist auch der Gefahr von Zwölffingerdarm- Geschwüren ausgesetzt.
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