MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Der Magen galt als "Herz"

Kanopen des TutanchamunDie medizinischen Erfahrungen der alten Ägypter beeindrucken bis in die heutige Zeit. Schon vor mehr als viertausend Jahren machten sich die damaligen Ärzte die heilende Wirkung von Kräutermixturen oder tierischen Rohstoffen zu nutze. Auch ihre anatomischen Kenntnisse waren beispielhaft. Selbst das Europa des Mittelalters hatte auf dem Gebiet der Anatomie verglichen mit dem alten Ägypten eher Nachholbedarf. Der Grund für die damalige hohe Sachkunde war tatsächlich "göttlichen Ursprungs": Verstorbene wurden seinerzeit einbalsamiert, um für ein Leben nach dem Tode gerüstet zu sein. Deshalb erreichte die Kunst der Mumifizierung im Laufe der Zeit nahezu Vollkommenheit. Selbst bis in unsere Tage sind Mumien in hervorragendem Zustand erhalten geblieben. Der Trick bei der Mumifizierung bestand darin, die inneren Organe zu entfernen und den restlichen Körper mit einer Mischung aus Natron, Kochsalz und Glaubersalz auszutrocknen. Die "Zutaten" für dieses Prozedere fand man übrigens im Wadi An Natrun, einem Gebiet westlich des Nildeltas, das dem Wort Natron seinen heutigen Namen gab. Es liegt in der Natur der Sache, dass die ägyptischen Mumifizierer sich einen hohen Wissensstand über die Lage von Leber, Magen, Lunge und Darm erwerben konnten. Sie erkannten auch, dass diese wertvollen Organe natürlich für das Leben nach dem Tod unabdingbar waren. Deshalb wurden sie dem Verstorbenen auch für den späteren Gebrauch in speziellen Gefäßen, den so genannten "Kanopen", mit auf den Weg gegeben. Die vier Kanopengefäße waren mit dem Namen jener Götter versehen, die für den Schutz der einzelnen Organe verantwortlich zeichneten: Kebechsenuef war der Schutzgott der Leber, Duametef schützte die Lunge und Hapi das Gedärm. Der Schutzgott des uns interessierenden Magens hieß Amset. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass das Gehirn kurioserweise als relativ wertlos galt. Es wurde lediglich entfernt, um Fäulnis zu vermeiden. Eine Kanope stand ihm nicht zu. Der Pharao musste daher ohne Gehirn in der Nachwelt zurechtkommen...

"Das Herz ist ein Gott, seine Kapelle ist der Magen"

Auch wenn die alten Ägypter irrten, was die Bedeutung des Gehirns betrifft, ihre medizinischen Kenntnisse waren für die damalige Zeit erstaunlich. Der Papyrus Ebers, den wir in unserer März-Ausgabe bereits vorgestellt hatten, legt auf über 20 Metern "Papier" ein beredtes Zeugnis davon ab. Der Magen hatte eine zentrale Bedeutung für die Ägypter. Nach ihrer Auffassung ging die Nahrung allerdings vor dem Eintritt in das Verdauungsorgan zunächst durch das Herz. Letzteres war also nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum Magen. Gelegentlich wurde der Magen aber auch als Ausmündung des Herzens betrachtet. "Das Herz ist ein Gott, seine Kapelle ist der Magen" heißt es in einem Text aus der 22. Dynastie (950-730 v.Chr.). Da beide Organe in diesem Lichte dermaßen viele Gemeinsamkeiten aufwiesen, ist auch verständlich, dass Herz- und Magenleiden ähnlich behandelt wurden. Symptome, die wir heute als Herzrhythmusstörungen bezeichnen, wurden daher auch mit verdauungsfördernden Maßnahmen behandelt. Im Laufe der Zeit näherten sich die Vorstellungen über Herz und Magen derart aneinander an, dass das Wort für Magen sogar verloren ging. Das damalige Wort für Herz "Ib" konnte daher ebenso gut den Magen meinen. In den Texten des alten Ägyptens finden sich Beschreibungen des Sodbrennens und der Herzenge (Angina pectoris) die demselben Organ zugeordnet wurden. In gewisser Weise hat die heute im Volksmund geläufige Bezeichnung "brennendes Herz" für das eigentlich durch den Säurereflux aus dem Magen verursachte Sodbrennen also einen recht prominenten Vorläufer im alten Ägypten...

Das alles ist nun schon wieder einen guten Monat her. Herbert denkt kaum noch an sein Sodbrennen. Nur vor der wöchentlichen Probe nimmt er vorsorglich immer eine Tablette ein. Der Rotwein könnte sonst Probleme machen. Seine Gedanken sind jetzt schon beim nächsten Freitag. Das Konzert hat diesmal einen besonderen Anlass: Die Freiwillige Feuerwehr des Ortes feiert ihr 50jähriges Jubiläum. Die ausgewählten Stücke passen gut zu diesem Anlass. Nach dem Konzert soll es am Abend noch ein Strohfeuer geben. Das trifft sich gut: Der 31. Oktober ist auch Halloween...
 
 


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Aus der Geschichte der Medizin

Selbst das Europa des Mittelalters hatte auf dem Gebiet der Anatomie verglichen mit dem alten Ägypten eher Nachholbedarf. Der Grund für die damalige hohe Sachkunde war tatsächlich "göttlichen Ursprungs": Verstorbene wurden seinerzeit einbalsamiert, um für ein Leben nach dem Tode gerüstet zu sein.

Zum Bild links:
Die Kanopen des Tutanchamun sind aus Alabaster. Sie enthalten Leber, Lunge, Darm und Magen des Pharaos.

 



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