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Bischof Isidor von Sevilla (560 – 636 n.Chr.) Verfasser der Enzyklopädie "Etymologien" mit den Schwerpunkten: Mathematik, Astronomie, Geografie, Meteorologie
Auf der Grundlage seines generellen Krankheitsmodells stellte Isidor von Sevilla drei Heilmaßnahmen in den Mittelpunkt des ärztlichen Bemühens: Die "Gesunde Lebensführung", die "Pharmacia", die "Chirurgia". Die "Vornehmste aller Wissenschaften" Um das Jahr 560 unternahm der Bischof Isidor von Sevilla (560 – 636 n.Chr.) den Versuch, das gesamte Wissen seiner Zeit zusammenzufassen. Obwohl die Naturwissenschaften im frühen Mittelalter im Vergleich zur Antike in vieler Hinsicht nur als lückenhaft eingestuft werden müssen, entsteht doch eine zwanzigbändige Enzyklopädie die sich unter dem Namen "Etymologien" vor allem mit der Mathematik, der Astronomie, der Geografie und der Meteorologie befasst. Sie hat die Bildung der Gelehrten über Generationen geprägt. Mehr als tausend Jahre lang wird sie immer wieder ergänzt und abgeschrieben. Im vierten und im elften Buch befasst sich der Gelehrte, der selbst weder Experimente durchführte noch durch irgendwelche eigenen Entdeckungen beeindruckte, mit der Medizin. Seine eigentlich falsche These, das Wort "Medizin" leite sich vom lateinischen "Modus" (Maß) ab, führt dennoch zu bemerkenswerten theoretischen Ansätzen. Unter dem Motto "medicina, id est modo" ("Medizin kommt von Maß") betrachtet er das richtige Maß an Lebensführung als Kernstück des "Gesundseins". Die Maßlosigkeit ("immoderatio") sollte demnach für Krankheiten verantwortlich sein. Wenn man die moderne Wissenschaft bemüht und sich die ursächlichen Zusammenhänge zwischen den heutigen Zivilisationskrankheiten "Übergewicht", "Bluthochdruck", "Zuckerkrankheit" und "Fettstoffwechselstörungen" unter diesem Aspekt vor Augen führt, muss man dem Gelehrten auch im Nachhinein einen erstaunlichen Weitblick bescheinigen. Auf der Grundlage seines generellen Krankheitsmodells stellt Isidor von Sevilla drei Heilmaßnahmen in den Mittelpunkt des ärztlichen Bemühens: Die als "Diaeta" bezeichnete "Gesunde Lebensführung", die keinesfalls nur Regeln zur Ernährung beinhaltet, sondern vor allem auf eine sittliche Lebensführung zielt. Die "Pharmacia", als Lehre von den Arzneimitteln, und die "Chirurgia", den operativen Eingriff mit speziellen Instrumenten. Der Arzt hatte diese Maßnahmen seiner Ansicht nach zwei wichtigen übergreifenden Prämissen unterzuordnen: Der Prophylaxe und der Therapie von Erkrankungen. Dazu hielt es der berühmte spanische Kirchenführer für erforderlich, die Vergangenheit des Kranken zu kennen, die Gegenwart zu wissen und die Zukunft vorherzusagen. Vielfach ohne sich dieser historischen Wurzel bewusst zu sein, agieren die Ärzte noch heute weltweit nach dieser Anweisung: Sie erheben die Anamnese (Krankheitsvorgeschichte des Patienten), stellen die Diagnose (erkennen die augenblickliche Krankheit) und ordnen ihre gewählte Therapie einem prognostischen Ziel (der vorausgesagten Zukunft) unter. Für den Bischof von Sevilla gehörte die Medizin zu den sieben freien Künsten. Da sie sowohl Kenntnisse der Grammatik, der Dialektik, der Rhetorik und der Arithmetik, als auch der Meteorologie, der Astronomie und der Musik voraussetzt, bezeichnete er die Medizin als die Vornehmste aller Wissenschaften. Der Arzt musste die Grammatik beherrschen, um lesen und verordnen zu können. Er musste rhetorisch gewandt sein, um dem Kranken Rede und Antwort stehen zu können. Eine dialektische Denkweise sollte es ihm ermöglichen, Widersprüche in der Krankheitsforschung aufzudecken und die wahren Ursachen der Leiden zu erkennen. Die korrekte Berechnung der Fieberzyklen erforderte Kenntnisse der Arithmetik. Meteorologisch und astronomisch gebildet konnte er den Einfluss der Witterung und des Stands der Sterne auf den Gesundungsprozess bestimmen. Auch die Musik war zur damaligen Zeit ein bedeutender Heilaspekt. Dies zeigt das Beispiel Davids, der Saul durch eine Melodie vom Übel der Raserei befreit hat. Selbst wenn wir heute andere Bewertungskriterien ansetzen würden, dem mittelalterlichen statement über die "Medizin als Krönung der Wissenschaft" würde dies sicherlich keinen Abbruch tun, vereinigt sie doch die modernsten Erkenntnisse der Physik, der Chemie und der Mathematik in sich (lesen sie dazu auch in unserer Rubrik "Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung"). |
Geschichte der Medizin
Auf der Grundlage seines generellen Krankheitsmodells stellt Isidor von Sevilla drei Heilmaßnahmen in den Mittelpunkt des ärztlichen Bemühens: Die als "Diaeta" bezeichnete "Gesunde Lebensführung", die keinesfalls nur Regeln zur Ernährung beinhaltet, sondern vor allem auf eine sittliche Lebensführung zielt.
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