MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

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Geschichtliches aus der Medizin

Mit der Verbreitung wissenschaftlicher Fachmaterialien ging die Entwicklung der Medizin einher. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere im letzten Jahrhundert die Zahl der medizinischen Erfindungen und der Entdeckungen von Krankheiten und ihren Behandlungsmethoden exponentiell zunahm.

Gastroenterologie: Autoanalyzer

Autoanalyzer TechniconUntersuchungen des Blutes gehören zum Standardprogramm eines jeden Krankenhauses oder werden sogar in der Hausarztpraxis selbst vorgenommen. Dazu sind biologische und chemische Untersuchungsmethoden erforderlich, die im Laufe der Jahre immer mehr verfeinert und automatisiert wurden. Man ist heutzutage in der Lage, Hunderte verschiedene Blutparameter auf einmal zu bestimmen. Auch die Konzentration eines Arzneimittels im Blut und deren Änderung mit der Zeit kann ohne weiteres verfolgt werden. Im Laboratorium bedient man sich dazu häufig eines Hochdruck-Flüssigkeits-Chromatographs: Winzigste Blutmengen werden mit einem bestimmten Lösungsmittel verdünnt und unter hohem Druck durch kleine mit speziellem Pulver gefüllte Röhren gepresst. Je nach dem Widerstand, den das Pulver den im Blut enthaltenen Molekülen entgegensetzt, kommen die einzelnen chemischen Bestandteile schnell oder langsam am anderen Ende wieder an und werden dort photometrisch erfasst. Aus dem so entstandenen Chromatogramm lassen sich sowohl die Substanzen als auch deren Konzentration sicher ermitteln:



Alte Darstellung des GastroskopsGastroenterologie: Das Gastroskop erobert die Arztpraxis

Kinderarzt Rudolf Schindler (1888-1968)

Die Untersuchung des Magens hat eine lange Tradition und kann bis in das Altertum zurückverfolgt werden. Wollte man allerdings einen Blick in sein Inneres riskieren, musste man warten, bis der "Kandidat" das Zeitliche gesegnet hatte, oder es blieb nur der "rabiate Schnitt" – eine wahrhaft nicht erstrebenswerte Alternative in einer Zeit, da noch keine vernünftige Narkose möglich war und man die Forderungen nach Asepsis durch das gründliche Waschen der Instrumente im Brunnenwasser erfüllt sah… Obwohl im Jahre 1895 die ersten Röntgenaufnahmen Furore machten, war es bis zu modernen bildgebenden Verfahren, wie dem CT oder dem Ultraschall, die mehr als nur eine Abbildung fester Knochen erlauben, noch ein langer Weg. Von unschätzbarem Wert war deshalb die Erfindung des Gastroskops. Im Jahre 1932 entwickelte der Münchner Kinderarzt Rudolf Schindler (1888-1968) sein "völlig ungefährliches flexibles Gastroskop".



Rheuma - Acetylsalicylsäure hilft

FELIX HOFFMAN 1893

Das Rheuma plagt die Menschheit wahrscheinlich schon seit Urzeiten. Verständlicherweise lag jeder Epoche der Medizingeschichte eine etwas andere Interpretation dieses Krankheitsbildes zugrunde. So liest man in den hippokratischen Schriften:

"Bei Arthritis stellen sich Fieber und heftige Schmerzen in den Gelenken ein… Die Krankheit entsteht durch die Galle und den Schleim, wenn diese in Bewegung geraten und sich schließlich in den Gelenken festsetzen…" . Lange Zeit stritten die Forscher darüber, ob HIPPOKRATES (460-370 v.Chr.) hier das Rheuma oder die Gicht beschreibt. Erst die medizinischen Abhandlungen ab dem 16. Jahrhundert können hier zweifelsfreier zugeordnet werden: Der französische Arzt GUILLAUME DE BAILLOU (1538-1616) führte zu dieser Zeit den Begriff "Rheumatismus" in den Wortschatz des Arztes ein.



Rene Descartes (1596-1650) Rene Descartes

Der Mensch - Maschine & Geist

Der französische Philosoph und Naturforscher Rene Descartes (1569-1650) wurde als Sohn eines niederen Adligen in dem heute nach ihm benannten Ort La Haye-Descartes geboren. Nach dem Schulabschluss wurde er Jurist, übte diesen Beruf aber nie aus. Erst später studierte er Philosophie und erlangte mit seinen zahlreichen philosophischen Schriften Berühmtheit. Den meisten Menschen ist er wegen seines Ausspruchs "cogito, ergo sum" (Indem ich denke, bin ich) bekannt.
Descartes versuchte stets, Elemente und Methoden der Naturwissenschaft und der Mathematik, auf die Philosophie zu übertragen. Er beschloss, nichts als "wahr" anzuerkennen, bis er dazu durch die Logik gezwungen wäre. Descartes’ Philosophie, die auch Cartesianismus genannt wird, ersetzt rein philosophisches Gedankengut durch ein System von mechanischen Erklärungen der physikalischen Phänomene.



"GEBER"– ein geheimnisvoller Gelehrter?

Neben der Astronomie und dem Kalenderwesen gehört die Medizin zu den ältesten Wissenschaftszweigen der Menschheit. Aus der Jungsteinzeit sind Skelettfunde bekannt, die auf chirurgische Operationen hindeuten. Damals nahm man sogar Schädelöffnungen vor, die offenbar medizinisch veranlasst waren. So sind Schädel aus der Zeit um 6.000 v. Chr. ausgegraben worden, die gleich drei Bohrungen, so genannte Trepanationen, aufwiesen. Moderne Unersuchungsmethoden konnten zwischenzeitlich bestätigen, dass manche Patienten diese Prozedur sogar überlebten. Sicherlich gehörten derartige Eingriffe auch seinerzeit eher zu den seltenen Ausnahmen. Alltäglichere Heilmethoden waren hingegen die Anwendung von Zubereitungen aus Pflanzenteilen zur Linderung von Schmerzen oder Verletzungen. Im Laufe der Jahrhunderte häufte sich ein unermesslicher medizinischer Wissensschatz an, der in zahlreichen Kompendien zusammengefasst wurde und so der Nachwelt erhalten blieb.



Ernste FrauContergan-Affäre – Das Drama eines Razemats

In den 1960er Jahren hat die so genannte Contergan-Affäre die Bundesrepublik erschüttert. Der als "Substanz K 17" bezeichnete Wirkstoff Thalidomid hatte in zahlreichen tierexperimentellen Untersuchungen und in der klinischen Erprobung hervorragende Eigenschaften bewiesen und ist deshalb im Mai 1954 zum Patent angemeldet worden. Als Schlafmittel "Contergan" eroberte er sich rasch einen bedeutenden Platz in den Apotheken. Zwischen Oktober 1957 und November 1961 wurden etwa 300 Millionen Tabletten verkauft. Contergan galt als überaus wirksam und war offenbar gut verträglich. Wegen geringfügiger Nebenwirkungen – einige wenige Patienten berichteten über ein eigenartiges Kribbeln nach längerer Tabletteneinnahme – stellte man das Medikament trotzdem unter Rezeptpflicht.



"Alraune" gegen Magenbeschwerden

KräuterDer griechische Titan Prometheus soll dem Menschen der Fabel nach das Feuer und damit die Kultur gebracht haben. Offenbar war dieses Vorhaben jedoch nicht von Zeus sanktioniert. Prometheus wurde daher an einen Felsen im Kaukasus gekettet, wo er den ständigen Attacken eines blutrünstigen Adlers ausgesetzt war. Auf die Leber hatte der Vogel es wohl besonders abgesehen. Damit sich diese Strafe der Nachwelt möglichst unauslöschlich einprägt, musste die Tortour auch ausreichend lange dauern. Deshalb ließ man Prometheus' Leber immer wieder nachwachsen. Trotz all der Greul hat das Ganze wohl doch ein Gutes gehabt: Aus dem unaufhörlich zur Erde tropfenden Lebersaft soll die Mandragora, ein kartoffelähnliches Nachtschattengewächs, entsprossen sein. Die antiken Völker nannten es dieser Geschichte wegen auch "Prometheuskraut". Im alten Ägypten schätzte man die angeblich aphrodisiakische Wirkung der Beeren dieser Pflanze besonders. Abkochungen davon wurden aber merkwürdigerweise gleichzeitig auch als Schlafmittel verwendet…



Notruf rettet Leben

Säurebedingte Erkrankungen darf man nicht auf die sprichwörtliche "leichte Schulter" nehmen. Aus zunächst harmlos scheinendem Sodbrennen bildet sich schnell eine Speiseröhrenentzündung, die schlimmstenfalls in einen Speiseröhrenkrebs übergehen kann. In jedem Jahr erkranken etwa 4.100 Menschen an dieser Krebsart. Im Jahre 1990 verstarben davon insgesamt 3.966 Patienten. Auch das Magengeschwür ist keineswegs bloß eine nervöse Angelegenheit.
Im Jahre 1969 wurde der achtjährige Björn S. bei einem Autounfall in Baden-Württemberg eigentlich nur leicht verletzt, verstarb aber infolge des erlittenen Schocks. Er hätte überleben können, wenn rechtzeitig ein Krankenwagen eingetroffen wäre. Das Rettungsfahrzeug kam seinerzeit jedoch erst nach 57 Minuten am Unfallort an.



BillrothBehandlung der Magengeschwüre im Wandel der Zeit

Magengeschwüre sind keine Erscheinung der Neuzeit. Obwohl sie erst in der Medizin des gerade vergangenen Jahrhunderts eine wichtige Rolle zu spielen begannen, litten vermutlich auch schon die alten Ägypter an diesen Beschwerden. In Europa vermochten zahlreiche angesehene Ärzte, Magengeschwüre bereits um das Jahr 1800 sicher zu diagnostizieren. Zu dieser Zeit wurde auch der lateinische Name ulcus für das deutsche Wort Geschwür geprägt. Vielerorts war man sogar schon in der Lage, eine Heilung dieser Leiden herbeizuführen. Zur Therapie wurden damals meist bestimmte Wismutsalze verwendet. Weil manche Patienten über viele Jahre sehr große Mengen dieser Mittel ohne Unterbrechung eingenommen hatten, blieben schädigende Nebenwirkungen seinerzeit nicht aus.



Foto von PawlowPawlows Hund aus einer ganz anderen Sicht

"Allein der Anblick ließ ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen". Es steckt viel Wahres in dieser Feststellung. Das kann wohl jeder bestätigen, der schon einmal mit knurrendem Magen vor einer leckeren Tafel mit "Gesottenem und Gebratenem" gestanden hat und doch noch nicht mit dem Schmaus beginnen durfte. Unser Organismus unterwirft sich diesem Martyrium jedoch nicht unnötigerweise. Die frühzeitige Produktion von Speichel ist sinnvoll, weil sie die kommende Verdauung vorbereitet. Nicht nur im Munde läuft uns das Wasser zusammen, auch die Salzsäureproduktion im Magen wird bereits angekurbelt, wenn wir der Speise auch nur ansichtig werden. Man spricht von der "kephalischen" Phase des Verdauungsprozesses, die durch intensive psychische Reize ausgelöst wird. Dass es sich dabei um einen so genannten "Reflex" handelt, hat bereits der berühmte russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936) erkannt.



Bischof Isidor von Sevilla (560 – 636 n.Chr.)

Verfasser der Enzyklopädie "Etymologien" mit den Schwerpunkten: Mathematik, Astronomie, Geografie, Meteorologie

Auf der Grundlage seines generellen Krankheitsmodells stellte Isidor von Sevilla drei Heilmaßnahmen in den Mittelpunkt des ärztlichen Bemühens: Die "Gesunde Lebensführung", die "Pharmacia", die "Chirurgia".
Die "Vornehmste aller Wissenschaften" Um das Jahr 560 unternahm der Bischof Isidor von Sevilla (560 – 636 n.Chr.) den Versuch, das gesamte Wissen seiner Zeit zusammenzufassen. Obwohl die Naturwissenschaften im frühen Mittelalter im Vergleich zur Antike in vieler Hinsicht nur als lückenhaft eingestuft werden müssen, entsteht doch eine zwanzigbändige Enzyklopädie die sich unter dem Namen "Etymologien" vor allem mit der Mathematik, der Astronomie, der Geografie und der Meteorologie befasst. Sie hat die Bildung der Gelehrten über Generationen geprägt.



Kanopen des TutanchamunDer Magen galt als "Herz"

Die medizinischen Erfahrungen der alten Ägypter beeindrucken bis in die heutige Zeit. Schon vor mehr als viertausend Jahren machten sich die damaligen Ärzte die heilende Wirkung von Kräutermixturen oder tierischen Rohstoffen zu nutze. Auch ihre anatomischen Kenntnisse waren beispielhaft. Selbst das Europa des Mittelalters hatte auf dem Gebiet der Anatomie verglichen mit dem alten Ägypten eher Nachholbedarf. Der Grund für die damalige hohe Sachkunde war tatsächlich "göttlichen Ursprungs": Verstorbene wurden seinerzeit einbalsamiert, um für ein Leben nach dem Tode gerüstet zu sein. Deshalb erreichte die Kunst der Mumifizierung im Laufe der Zeit nahezu Vollkommenheit. Selbst bis in unsere Tage sind Mumien in hervorragendem Zustand erhalten geblieben. Der Trick bei der Mumifizierung bestand darin, die inneren Organe zu entfernen und den restlichen Körper mit einer Mischung aus Natron, Kochsalz und Glaubersalz auszutrocknen.



Der Magen – ein "Palastorgan"!

Lachende FrauDie Geschichte der Medizin ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Schon 25.000 Jahre v. Chr. gab es mit dem "Schamanen" einen naturkundigen Heiler in fast jeder Gemeinschaft von Jägern und Sammlern. Er konnte nicht nur mit den Geistern in Kontakt treten und die Zukunft prophezeien, sondern verstand es auch, Geheimrezepte aus Pflanzen und Kräutern zu bereiten, die bereits als Arzneimittel angesehen werden müssen. Die berühmte Wandmalerei in der Höhle von Lascaux in Frankreich zeigt einen solchen Schamanen. Vor etwa 8.000 Jahren wagte man sich sogar schon an Schädelöffnungen. Obwohl diese so genannten Trepanationen möglicherweise aus rituellen Gründen vorgenommen wurden, erfordern sie doch bereits eine große "chirurgische" Sachkunde. Aus solchen und anderen frühzeitlichen Wurzeln entwickelte sich schließlich die heutige moderne Medizin, die kaum noch etwas mit dem damaligen Schamanen-Wissen gemein hat. Den wenigsten Mitteleuropäern ist bewusst, dass die Jahrtausende-alten Wurzeln der Heilkunde auch im zwanzigsten Jahrhundert eine noch recht lebendige



Durchtrennung des Vagusnerv - die chirurgische Blockade der Säureproduktion des Magens

- Lester Reynold Dragstedt (1893-1975), amerikanischer Chirurg
- Fritz Holle (geb. 1941), deutscher Arzt


Menschen, die an Sodbrennen leiden, sind für jede medizinische Hilfe dankbar, die ihre Beschwerden lindert. Obwohl Sodbrennen vielerorts noch immer als bloße "Befindlichkeitsstörung" abgetan wird, ist sie doch eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Einerseits kann der in die Speiseröhre zurückfließende Magensaft schwerste Schäden, Entzündungen und Erosionen an der Speiseröhrenschleimhaut verursachen, andererseits ist der Leidensdruck des Betroffenen sogar noch stärker, als der von Herzinfarktpatienten (lesen Sie dazu auch in unserer Rubrik "Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung"). Wir wissen nur zu gut, dass eine wirksame Säurehemmung hier die dringend erforderliche Abhilfe schaffen kann. Sie erweist sich auch als erforderlich, wenn es darum geht, Magen- und Darmgeschwüre zu heilen. Heutzutage gibt es zahlreiche Medikamente, die eine wirksame und lang anhaltende Säurehemmung gewährleisten.



Die Bedeutung der Bauchspeicheldrüse als Organ im Wandel der Zeit

Leser, die sich der Januar-Ausgabe 2003 erinnern, wissen nur zu gut, dass dem Magen zwar eine wichtige Funktion bei der Verdauung unserer Nahrungsmittel zukommt, die Hauptarbeit in diesem Prozess aber vom Dünndarm geleistet wird. Hier – genauer im Zwölffingerdarm, der sich unmittelbar an den Magen anschließt – kommt der vorbereitete Nahrungsbrei mit hochwirksamen Verdauungssäften aus der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse in Kontakt. Ohne diese Säfte wäre die Gewinnung von Eiweißen aus unserer Nahrung stark eingeschränkt, die von Fetten nahezu unmöglich. Zur Erinnerung: Unsere Nahrung besteht im Wesentlichen aus drei Bestandteilen – Kohlehydraten (z.B. Zucker und Stärke), Eiweißen und Fetten.



Fortschritte durch "Priestleys" wundersames Gas

Operationen werden heutzutage von exzellent ausgebildeten Ärzten durchgeführt, die ein ganzes Arsenal ausgefeilter high-tech-Instrumente verwenden und sich darüber hinaus auf leistungsfähige computergestützte Geräte verlassen können. Chirurgische Eingriffe gehören zum Alltag eines jeden Krankenhauses und können manchmal sogar ambulant erledigt werden. Der Patient verspürt dabei keine Schmerzen. Er wird entweder lokal betäubt oder erhält eine Vollnarkose. Das war in der Medizingeschichte natürlich nicht immer so. Bereits der Frühmensch nutzte nicht nur die heilende Wirkung bestimmter Pflanzen und Gewürzkräuter, sondern öffnete auch entzündete Abszesse oder entfernte Dornen aus der Haut, die sich die Stammesangehörigen zum Beispiel bei der Jagd eingetreten hatten.



Einblicke in den Magen: Die Magenspiegelung

FrauMagengeschwüre waren den Ärzten bereits vor Jahrhunderten bekannt. Detaillierte medizinische Berichte über diese so genannten "gastrischen Ulzera" können bis in das Jahr 1799 zurückverfolgt werden. Auch das Zwölffingerdarmgeschwür, das man nach dem lateinischen Namen für den Zwölffingerdarm (Duodenum) als Ulcus duodeni bezeichnet, ist schon im Jahre 1824 beschreiben worden. Zur Therapie beider Leiden wurden damals zahlreiche Behandlungsoptionen vorgeschlagen. Selbst Milch setzte man als "Arzneimittel" ein. Hier spielte wohl vor allem der schwach Säure-neutralisierende Effekt die maßgebliche Rolle. Im Jahre 1833 empfahl der berühmte deutsche Arzt Adolf Kußmaul (1822-1902) dann Wismutsalze zur Behandlung. Sie finden auch heute noch gelegentlich als "Reserve-Therapie" für die Bekämpfung des Bakteriums Helicobacter pylori in Kombination mit anderen Medikamenten Verwendung, obwohl sich die so genannte "Tripel-Therapie" aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpenblocker zwischenzeitlich erfolgreich durchgesetzt hat (lesen Sie dazu auch unsere Rubrik "Wissenschaft verstehen"). Kußmaul, von dem im Übrigen der Begriff "Biedermeier" stammt, wurde am 22. Februar 1822 in der Nähe von Karlsruhe geboren.



Polarisiertes Licht

Jean-Baptiste Biot (1774-1862), Physiker, Mathematiker und Astronom

Der französische Physiker, Mathematiker und Astronom Jean-Baptiste Biot (1774-1862) hat die Naturwissenschaften seiner Zeit in ungewöhnlichem Maße bereichert. Heute sind uns vor allem seine Abhandlungen über polarisiertes Licht in Erinnerung. Licht "besteht" bekanntlich aus elektromagnetischen Schwingungen. Diese Schwingungen erfolgen bei natürlichen Lichtstrahlen in allen Richtungen des Raumes. Lässt man den Lichtstrahl jedoch ein spezielles Filter passieren, so wird lediglich eine Schwingungsebene hindurch gelassen. Derartiges Licht mit nur einer ausgezeichneten Schwingungsebene nennt man polarisiertes Licht.
In seinen Versuchen wurde Biot, darauf aufmerksam, dass sich die Schwingungsebene des polarisierten Lichtes dreht, wenn es Lösungen bestimmter organischer Substanzen durchdringt.



Papyri im Dienste der Medizin

Mann am SchreibtischDie alten Ägypter hatten wissenschaftliche Erkenntnisse bereits vor Jahrtausenden sorgfältig und gewissenhaft gesammelt. Zahlreiche Dokumente, die ursprünglich der "Katalogisierung" des vorhandenen Wissens dienten, haben die Zeiten überdauert und stehen uns heute als wichtige historische Quelle zur Verfügung. In Hyroglyphen-Schrift wurden damals auch medizinische Erfahrungen durch wenige schreibkundige Kalligraphen, die einen hohen gesellschaftlichen Status besaßen, auf Papyrus verewigt. Die aus den zusammengeklebten Blättern der Papyruspflanze bestehenden Schriftrollen sind teilweise bis zu 5.000 Jahre alt und beschreiben zahlreiche Krankheiten, ihre Diagnose und geeignete Behandlungsmethoden. Da die Urheber der Texte in den meisten Fällen nicht bekannt sind, werden die Dokumente in der Regel nach Ihrem "neuzeitlichen Entdecker" oder dem betreffenden Fundort benannt.



Ein OP-ArztDer Arzt Theodor Billroth

Der Arzt Theodor Billroth wurde am 26. April 1829 in Bergen auf Rügen geboren. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Österreich. Als einer der bedeutendsten Chirurgen des neunzehnten Jahrhunderts entwickelte er geniale Operationsmethoden unter anderem für bestimmte Eingriffe am Kehlkopf, an der Schilddrüse oder bei der Entfernung der Gebärmutter. Noch heute trägt eine von ihm entwickelte Operationstechnik am Magen seinen Namen: Bei bestimmten schwerwiegenden Erkrankungen kann manchmal die teilweise Entfernung des Magens erforderlich werden. Eine solche "Magenresektion" führte Billroth erstmalig bei einer Patientin mit unheilbarem Magenkrebs durch. Nachdem er die Krebsgeschwulst entfernt hatte, vereinigte er den Zwölffingerdarm mit dem verbliebenen Magenstumpf (informieren Sie sich über den Zwölffingerdarm in der Januarausgabe). Die Patientin lebte dank dieses Eingriffs noch viele Jahre. Die entsprechende Operationstechnik heißt seitdem Billroth I.



Stifte und SpritzeDie erste "Magenoperation"

Auf dem Gebiet der Magenheilkunde besaß man bereits im Altertum vielfältige Erfahrungen. Im alten Ägypten waren Einläufe und das Verabreichen von Zäpfchen bekannt. Die Heilkundigen der damaligen Zeit imitierten damit den Vogelgott Ibis, der mit seinem langen Schnabel Wasser in sein Rektum* einführt. Im Mittelalter Europas wurde das Sinnbild des relativ unbekannten Ibis' dann durch den bekannteren Schwan ersetzt, dem ein gleiches Verhalten unterstellt wurde. Das erklärt, warum der Schwan zeitweise zum Symbol der Medizin wurde und auf zahlreichen Dokumenten und Dächern alter Spitäler zu sehen ist. Nicolas l'Actuaire sammelte bereits im 12. Jahrhundert 2.156 Rezepte zur Heilung von Verdauungskrankheiten. Aber erst seit einem guten Jahrhundert sind Mediziner auch imstande, Magengeschwülste operativ zu beseitigen. Bis zu dieser Zeit bedeuteten derartige Leiden meist noch den sicheren Tod. Die erste verbriefte Magenoperation fand jedoch bereits im Jahre 1602 statt:
 
 


Magenbeschwerden
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leiden in  Deutschland
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